In der Osterwoche machte sich eine Gruppe aus Ostbrandenburg auf den Weg nach Kyjiw und Odesa. Organisiert durch das Oekumenische Europa-Centrum Frankfurt (Oder) und den Evangelischen Kirchenkreis Oderland-Spree war die Reise unsere Antwort auf die Einladung des lutherischen Bischofs Pavlo Shvarts aus Charkiw, der 2024 bei den Christlichen Begegnungstagen zu Besuch in Frankfurt war.
Mit unserem Besuch wollten wir unsere Verbundenheit und Solidarität auch durch persönliche Nähe und Begegnung ausdrücken. Darum standen die Besuche und das Kennenlernen der Menschen im Zentrum der Reise.
| Begegnung mit Pastor Ihor |
Vorab: Ja, man kann die Ukraine besuchen. Es ist ein Land, in dem Krieg herrscht, aber der Krieg zeigt sich in sehr unterschiedlicher Weise. Die persönliche Gefährdung ist einigermaßen kalkulierbar und lässt sich durch die digital versendeten Warnungen noch mehr minimieren. Trotzdem haben die terroristischen russischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung auch bei uns für Anspannung gesorgt – und für Diskussionen über den richtigen Umgang mit der Gefahr.
Aber zum Glück stand dieses Thema nicht ständig im Vordergrund – denn das Wichtigste waren die Begegnungen.
In Kyjiw trafen wir Pastor Ihor, der neben seiner Gemeindearbeit soziale Projekte für Obdachlose aufbaut – oftmals für Menschen, die ihr Zuhause durch den Krieg verloren haben. Aber er setzt sich auch für Gemeindemitglieder ein, die an der Front sein müssen, besucht sie und bringt ihnen Grüße und Unterstützung. Besonders beeindruckt hat mich die Aussage seiner Frau, dass sie ihr Leben nicht auf ein Ende des Krieges irgendwann ausrichtet, sondern im Hier und Jetzt Gutes tut und sich an Kleinem erfreut.
Für diese Arbeit sind sie auch auf Hilfe von außen angewiesen und kooperieren dafür bereits mit anderen Kirchen und Organisationen aus ganz Europa. Diese vielfältige Solidarität zu sehen war sehr ermutigend.
| Treffen bei der Caritas, im Hof ein großer Generator. |
Ganz ähnlich bei der Caritas: Oleksii Khomenko berichtete von dem vielfältigen Einsatz der Spes-Caritas (dies ist die römisch-katholische Hilfsorganisation, die es neben der griechisch-katholischen Caritas gibt). Ihre Arbeit reicht von Jugendarbeit über Seniorengruppen bis hin zur Sorge für Veteranen und Jobprogrammen für Binnenflüchtlinge, aber auch der nächste Winter ist schon im Blick.
Auch Pastor Alexander in der Südukraine engagiert sich sozial – besonders für Kinder und Familien, die aus den besetzten Gebieten fliehen mussten. In den ehemals deutschen Kolonistendörfern Bessarabiens in der Nähe von Odesa baut er Unterkünfte, setzt sich mit seinem Bethany-Kinderzentrum für arme Kinder ein und schafft Arbeit für jene, die bei ihm unterkommen.
Auch die Gemeinde in Odesa selbst ist lebendig: neben einem Chor gibt es die Sonntagsschule und einen Seniorenkreis. Und auch hier bleibt man nicht untätig: die alten Damen stellen Tarnnetze her und schicken sie an die Front. Sie sehen das als ihren Einsatz für die Freiheit ihres Landes.
Im Gespräch mit der Gemeinde wurde uns klar, dass hier ganz selbstverständlich das in Odesa verbreitete Russisch und Ukrainisch nebeneinander gesprochen wird, ohne dass es Konflikte darüber gibt. Man ist sich einig, dass man nie unter russischer Herrschaft leben will und tut dafür am jeweiligen Platz das, was möglich ist.
| Treffen mit Geflüchteten bei Odesa. |
Wir haben uns gefreut, dass die fast 15000 Euro, die wir an Spenden sammeln und übergeben konnten, dabei helfen.
Zurückgekehrt sind wir reich beschenkt und gestärkt vom Beispiel der vielen Menschen, denen wir begegnen durften. Besonders im Ohr habe ich noch den Satz der Lehrerin und Journalistin Karina Beigelzimer, dass die Einwohner Odesas trotz des fröhlichen Lebens in der Stadt sehr zermürbt sind durch die regelmäßigen nächtlichen Angriffe. Aber, fügte sie an, man ist nach vier Jahren Krieg zwar sehr erschöpft, jedoch nicht bereit, dem Aggressor nachzugeben.
Darum nehme ich mir vor allem mit: Besuche sind wichtig. Begegnungen und persönliche Eindrücke sind essenziell. Die Menschen sind bereit, für ihre Freiheit einzustehen und sind froh über jede Unterstützung.
Stehen wir an ihrer Seite! Beten wir für einen friedlichen Himmel über einer freien Ukraine! Und setzen wir uns dafür ein, dass das politisch bald möglich wird!
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