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Sonntag, 19. Juli 2026

Entfalten, was Jesus gesagt und getan hat. Abschiedspredigt in Frankfurt (Oder)

Auf Grundlage der folgenden Ausarbeitungen habe ich mich aus Frankfurt (Oder) am 05.07.2026 in der Pfarrkirche Heilig Kreuz und am 08.07.2026 im Hedwighaus verabschiedet - jeweils in leicht variierter und auf die jeweilige Gemeinde angepasster Form. 

Lose Grundlage war der biblische Text in Mt 11,25-30: "In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht."


Liebe Gemeinde, 


Heute möchte ich mich von euch und Ihnen verabschieden und ein wenig zurückschauen auf die letzten fünf Jahre, die ich in unserer Pfarrei hier tätig gewesen bin - aber ich schaue nicht zurück, weil ich so furchtbar viel Tolles geleistet habe, sondern zur Vergewisserung, was eine spirituelle Frucht sein könnte.


Viele verbinden mit einer kirchlichen Arbeit an Hochschulen ja regelmäßige Gemeindearbeit, Gesprächsrunden zu religiösen Themen, viel Gebet und Gottesdienst. 

Nun, was soll ich sagen, einiges davon gab es auch, aber diese Erwartung konnte ich nicht erfüllen.

Ich habe es nicht geschafft, eine echte Gemeinde aufzubauen, nicht geschafft, in unserer Ortsgemeinde regelmäßig mit Aktionen aus dem Bereich der Hochschule aktiv zu sein, nicht geschafft, bleibende Gebetsgruppen einzurichten, nicht geschafft, die Zahl der Kirchenmitglieder zu erhöhen…


Was habe ich also die ganze Zeit gemacht? (Und ich frage das nicht aus Koketterie, sondern angesichts mancher Erwartungen wirklich ernsthaft)


Ganz kurz: Wie so viele, die ihr Christsein auf unterschiedliche Weise leben oder für die Kirche tätig sind, habe ich versucht, das zu entfalten, was Jesus gesagt und getan hat. 


1

Konkret haben wir gerade gehört, wie Jesus jene seligpreist, die nicht schon fertig ausgebildet und klug sind, sondern noch fragen und nicht fertig sind.

Der Text sagt „Unmündige“ in unserer Übersetzung, andere Übersetzungen sprechen von „Kleinkindern“, „Einfältigen“, „Unwissenden“, „einfachen Leuten“ - zusammenfassen könnte man sicher, dass Jesus hier jene preist, die noch lernen, die sich mit ihrem Wissen über Gott noch keine Festung gebaut haben, die noch mehr wissen wollen.


Studierende also - wissbegierig, offen für das Neue im Leben… sie sind natürlich all das...

 "Lernt von mir!“ sagt Jesus.


Aber in genau diesem Sinne war es mir wichtig, auch andere anzusprechen, die noch keine fertigen Vorstellungen von Gott haben. 

Gemeinde und ein inner circle mit denen, die sowieso schon kommen, sind wichtig - aber eben auch jene, für die es eine Überwindung ist, kirchliche Räume zu betreten, oder auch nur kirchliche Angebote wahrzunehmen.


2

Was noch?

Jesus lädt im heutigen Evangelium die ein, die mühselig und beladen sind. Für sie ist Gottes Liebe in besonderer Weise da.

Auch hier können wir bei Studierenden ein Häkchen machen - Prüfungen und Überforderung, Sorgen um den Arbeitsmarkt der Zukunft, finanzielle Probleme, Stress mit den Mitbewohnerinnen, die schlafen wollen, …


Aber mühselig und beladen, das sind viel mehr Menschen - es geht Jesus immer, wie bei den Seligpreisungen, der Blick von unten, nicht der Blick der Zufriedenen, Mächtigen und Wohlhabenden. 


Als am 24. Februar die russische Vollinvasion in die Ukraine begann, haben wir nicht nur gebetet, sondern sind für jene, die auf ihrer Flucht vor dem Krieg hierher gekommen sind, auch ganz selbstverständlich praktisch tätig geworden.

Der Bonibus konnte für Menschen und Hilfsgüter genutzt werden, unsere Räume im Kolbehaus wurden zeitweise zusammen mit dem CVJM als Hilfsschule genutzt, es gab finanzielle Hilfen, auch das Gemeindehaus in Golzow wurde einer ukrainischen Familie zur Verfügung gestellt.

Man könnte mit etwas Pathos sagen: Im Sinne Jesus haben wir den Egoismus verabschiedet und uns für Weitsicht und Solidarität entschieden.

Ich bin sehr dankbar, dass das alles hier so umstandslos möglich war und habe mich gern in den Dienst der Hilfe für Menschen aus der Ukraine gestellt.


3

Hier lässt sich auch gleich anschließen an dem, was Jesus oft und gern gemacht hat - er liebte und lebte Gastfreundschaft und Teilen. Er saß in Galiläa und Jerusalem mit vielen sehr unterschiedlichen Menschen bei Tisch - so ähnlich, wie es hier ja auch beim Kirchencafé praktiziert wird, wo alle eingeladen sind.

Noch einen Schritt weitergegangen sind wir am Gründonnerstag 2025 mit der Einladung zum ökumenischen „Tisch für alle“ in der Marienkirche. So wie es bei den Christlichen Begegnungstagen mit der langen Tafel vom Markt bis zur Oder schon geübt wurde - Platz für alle, Raum für Gespräche, offen für Gott.


Am Grill neben dem Glashaus, auf dem Ausflug mit Studis in die Sächsische Schweiz oder beim adventlichen Singen am Feuer im Hof des Gemeindehauses - immer gab es Gelegenheit, miteinander zu essen und in Kontakt zu kommen. Das alles sind sehr schöne Erinnerungen für mich…


Was noch?

Jesus hat die richtigen Worte gefunden, um Grenzen zu überwinden. Mit dem Straßenwörterbuch vom Verein Kunstgriff haben wir das 2022 auch hier versucht - gute Worte finden für die Doppelstadt. 

Liebe, Geduld, Freiheit, Hoffnung, Zusammenhalt, Mut, umarmt euch!, vereint, Zusammenarbeit, Freundschaft … das waren einige der Wörter, die wir auf Polnisch, Deutsch, Ukrainisch auf die Gehwege der Doppelstadt geschrieben haben. 

Ich glaube, es waren auch einige geistliche Anregungen und Worte im Sinne Jesu dabei.


Manche Worte richten aber auch Grenzen auf. Das ist manchmal wichtig, um Klarheit zu schaffen und sich abzugrenzen, das ist manchmal aber auch unnötig und verletzend. Ich habe mich dabei - besonders mit meinem polnischen Kollegen in Slubice - manchmal schwergetan, noch die nötigen Gemeinsamkeiten zu finden, wenn die Meinungen weit auseinandergehen. 

Um es klar zu sagen - ich glaube nicht, dass Queerfeindlichkeit im Sinne Jesu ist.


Ja, ganz insgesamt ist die deutsch-polnische Grenze hier vor Ort eine besondere Herausforderung - und ich bin sehr froh, dass viele Haupt- und Ehrenamtliche hier sind, die gute Worte für das Miteinander suchen und denen es ein dauerhaftes Anliegen ist, zu vermitteln und neue Gemeinschaft zu stiften.


5

Und sonst?

Jesus hat zur Versöhnung aufgerufen - dazu gehört natürlich auch die Entschuldigung, das Bitten um Nachsicht und die Reue.

2023 stand drei Monate lang die monumentale Skulptur SORRY von Joanna Rajkowska an der Oderpromenade, die wir mit viel Unterstützung auch aus dem Erzbistum hierher holen konnten.

Die Künstlerin klagt mit ihrem Kunstwerk - in gewisser Weise ganz auf den Spuren Jesu - die Doppelzüngigkeit und Falschheit an: dort wo ein Bedauern oder ein Entschuldigen (mit dem universalen „Sorry“) einfach nur behauptet wird, aber nicht aus dem Inneren kommt, dort bleibt es wie eine Mauer - ein Widerspruch in sich. Hier: ein SORRY in 3m hohem Beton. 

Auch Jesus kritisiert mit sehr harten Worten die, die zwar an Riten und Formen festhalten, aber ihr Herz nicht ändern - und wo die Mauern bleiben. 


Joanna Rajkowska hat mit diesem künstlerischen Statement auch ein Zeichen setzen wollen gegen die Doppelzüngigkeit der EU, die sich manifestiert in der unmenschlichen Migrationspolitik der Europäischen Union. Für die Künstlerin besonders erschreckend: In den Wäldern zwischen Belarus und Polen sterben bis heute viele Migranten, die vom dortigen Regime unter falschen Versprechungen nach Belarus gelockt werden, um sie dann an die befestigte EU-Außengrenze zu bringen. 

Um es klar zu sagen: Es ist eine Schande, dass der EU-Grenzschutz viele dieser Menschen, auch Schwangere, auch Kranke, auch Kinder zusammenschlägt, ausraubt, zusammentreibt, hungern lässt und wieder nach Belarus zurückschickt. Auch die schrecklichen Szenen vom Mittelmeer kennen wir alle.


Ja, die Mühseligen und Beladenen - Jesus lädt sie ein - und die EU schickt sie weg und lässt sie krepieren.


Angesichts dieser Realität ist das Kunstwerk SORRY ein prophetisches Zeichen. 

Aber Zeichen reichen nicht: Ich finde, Christinnen und Christen dürfen angesichts dieser Politik nicht schweigen. Jesus fordert den Einsatz für jene, die am Rande stehen, die untergebuttert werden, die keine Lobby haben…


Die potentielle Kriminalisierung vieler Hilfen für Menschen auf der Flucht macht es mir schwer, andere Dinge konkret zu benennen - aber konkrete Hilfe ist auch hier vor Ort in Frankfurt (Oder) und Slubice nötig. 

Ich kann alle nur darum bitten, die Augen offen zu halten und die Menschen auf der Flucht nicht zu vergessen. (Jesus selbst war übrigens auch ein Flüchtling, als seine Eltern mit ihm vor Herodes nach Ägypten flohen - ein Grund mehr, Geflüchtete zu unterstützen!)


6

In dieser Frage - und auch an vielen anderen Stellen - ist es mir in den letzten Jahren wichtig geworden, mit möglichst vielen Menschen und Institutionen Kontakte zu knüpfen und zu kooperieren in den Kirchen, aber besonders auch mit jenen, die keine Anbindung an die Kirche haben. 


Jesus war zwar manchmal rigide und hat nicht immer die Verbindung über seine Gemeinschaft hinaus gesucht. Bevorzugt hat er sich an seine jüdischen Glaubensgenossen gewandt. Aber oft genug kam er in engeren Kontakt auch mit denen, die zunächst ferne waren - als Römer oder Samariterinnen, als Kollaborateure oder als besonders Fromme, als Fischer und als gelähmte Bettler, als Aussätzige oder als des Ehebruchs Angeklagte.

Jesus trat in Kontakt und kam ins Gespräch mit seiner ganz persönlichen Botschaft - und überall rief er zur Umkehr auf, sprach Mut zu, heilte, tröstete.

Nicht alles davon war mir möglich oder vergönnt. 


Aber ich bin sehr froh, dass ich in Frankfurt (Oder) viele Menschen getroffen habe, die offen sind für gemeinsame Aktionen: besonders habe ich mich gefreut, dass wir letztes und vorletztes Jahr im November mit einigen Aktiven aus der Jungen Union und mit den politisch sicher eher anders orientierten Aktiven von Utopia e.V. zusammen Stolpersteine putzen konnten. 

Dieses Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus gemeinsam zu setzen finde ich äußerst wichtig.


7

Zu guter Letzt: ich habe Jesus immer als jemanden wahrgenommen, der Gottes Gegenwart nicht nur in Gotteshäusern und in Begegnungen mit Menschen fand. Sondern auch in der Natur - Jesus war auf den Bergen Galiläas unterwegs, er ging spazieren am See, er wanderte in der Wüste und an seinem letzten Abend in Freiheit ging er in einen Garten, um dort zu beten.


In Frankfurt habe ich diese besonderen Orte in der Natur vor allem an der Oder gefunden - und laufe dort regelmäßig, immer wieder auch mit Studierenden. Der Fluss, die Wäldchen, die Weite der Wiesen, der morgendliche Nebel und die Sonne über Polen: all das öffnet die Sinne und den Geist für Gottes Weite.


Das war viel!

Darum zum Mitnehmen ein paar Schlagworte, die als Entfaltung von Jesu Worten und Taten hier übrig bleiben könnten:


Versöhnung!

Grenzen überwinden!

Gute Worte machen!

Wirklich meinen, was gesagt ist!

Gastfreundschaft! 

Miteinander essen!

Zuwendung zu denen, die Hilfe brauchen!

Natur erleben!

Und in allem: Gott suchen und finden - denn er will uns erquicken! 


Samstag, 21. Mai 2022

Was braucht es zum Christsein? Predigt zu Apg 15 und Joh 14

1.
Es ist dies einer der entscheidendsten Textabschnitte, den die Apostelgeschichte zu bieten hat, wenn es um die Frage geht, wie sich die ersten Gemeinden in ihrer Stellung zum Judentum entwickeln.
Denn wie man hörte (15,1-2.22-29), gab es einige, die sagten, diejenigen, die als Nichtjuden zum Glauben an Jesus als den Sohn Gottes gefunden hatten, müssten sich erst beschneiden lassen und alle Gebote der Tora befolgen, bevor sie vollgültig Mitglieder der neuen christlichen Gemeinde werden könnten.
(Man merkt auch: im Blick waren vor allem die Männer als Zielgruppe der Verkündigung – gut, dass das heute anders ist.)
Paulus und Barnabas, die beiden Missionare, widersprachen diesem Standpunkt entschieden – sie waren der Meinung, dass Beschneidung und die Gesetze der Tora für die Christgläubigen keine solch weitreichende Bedeutung haben und man darum Christ:in werden kann, ohne zuvor zum Judentum zu konvertieren.

Donnerstag, 21. April 2022

Achtsam für Wunden, nicht in sie verbohrt! Predigt zum Semesterstart

 Als ich vor ziemlich genau 20 Jahren in Lwiw in der Ukraine einen Freiwilligendienst gemacht habe, bekam ich eine Menge Wunden zu sehen. Denn meine Aufgabe war damals, ehemalige Häftlinge der deutschen Konzentrationslager zu besuchen.
Manchmal waren die Begegnungen eher belanglos, manchmal schwierig (vor allem wegen meiner anfangs sehr geringen Sprachkenntnisse), manchmal auch erfrischend. Aber an irgendeinem Punkt kam die Rede fast immer auf die Verwundungen in ihren Leben.
Nicht immer, das muss ich betonen, waren es die Erfahrungen aus den Konzentrationslagern, die am meisten obenauf lagen und als am schlimmsten erinnert wurden. Manchmal waren es Erfahrungen mit Schikanen in der Sowjetunion, manchmal der Verlust eines Familienmitglieds in der jüngsten Zeit, manchmal die Einsamkeit, die aus der Tatsache folgte, dass der Sohn oder die Tochter zum Arbeiten nach Westeuropa gegangen waren.

Samstag, 9. April 2022

Gesegnet, die da kommen im Namen des Herrn! Radiobeitrag an Palmsonntag

Ankunft am Bahnhof.
Frankfurt (Oder), März 2022.

So ähnlich werde ich morgen früh um ca. 10 vor 10 im Radio auf rbb 88,8 zu hören sein:

Ich war in den letzten Wochen immer wieder auf unserem Bahnhof in Frankfurt / Oder. Dort sind seit den ersten Tagen des Krieges in der Ukraine täglich mehrere tausend Menschen durchgefahren.
Fast immer sind es Frauen mit ihren Kindern gewesen. Oftmals waren sie mehrere Tage im Zug unterwegs. Sie hatten wenig geschlafen und waren unruhig und ausgelaugt. Diejenigen, die ausstiegen, wollten oft einfach nicht mehr weiterfahren und suchten etwas Ruhe. Manchen war noch nicht einmal klar, dass sie nun in Deutschland waren.

Samstag, 5. Februar 2022

Mich noch einmal auswerfen? Gedanke zum Evangelium Lk 5,1-11.

Petrus hatte doch schon guten Willen bewiesen.
Er hatte getan, was Fischer zu tun pflegen und war die Nacht über bis in den frühen Morgen unterwegs auf Fischfang gewesen.
Doch gefangen hatte er nichts.
Dann hört er, wahrscheinlich frustriert und müde, dem neuen Prediger zu und unterstützt ihn sogar, indem er ihn ein Stück weit auf den See fährt.
Schließlich hört er die Aufforderung, es nach der Enttäuschung der Nacht noch einmal zu versuchen.

Ähnlich fühle ich mich manchmal:
Habe als Katholik und kirchlicher Mitarbeiter viel guten Willen bewiesen.

Montag, 24. Januar 2022

Solidarität mit der Initiative „Out In Church“

Heute zitiere ich mal mich selbst von meiner dienstlichen Website:


Mehr als 100 katholische LGBTQI*-Personen haben sich in einer gemeinsamen Initiative unter dem Motto „Out in Church“ geoutet und ihre sexuelle Identität öffentlich gemacht.

Es sind Zeugnisse, die mit großem Mut und bewegender Offenheit Hoffnung machen für eine Kirche, die offen ist für Vielfalt und Toleranz – anders als sie allzu oft erlebt wird.

Samstag, 15. Januar 2022

Dein Wasser reicht gegen den Frust. Predigt zum Weinwunder in Kana (Joh 2,1-11)

Ich kann die Angst vor der Unzufriedenheit der Gäste förmlich spüren. Da sind das ganze Dorf und viele auswärtige Gäste zusammengekommen und wollen feiern. Sie wollen den tristen Alltag endlich mal für ein paar Stunden (oder Tage!) verlassen und es sich richtig gut gehen lassen.
Und dann ist der Wein alle. Das heißt, die Party wird bald vorbei sein.
Was muss das für ein Ärger für die Einladenden sein, wenn sogar schon bis zu den Gästen durchdringt, dass nicht mehr weitergefeiert werden kann! Was für eine Enttäuschung, was für ein Frust.

Aber wozu bei der biblischen Geschichte stehenbleiben?

Samstag, 25. Dezember 2021

Brücken-Gott?! – Eine Weihnachtsbetrachtung


Die Geburt des heiligen Kindes im Stall von Betlehem ist ein Brückenschlag. Denn seit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus existiert eine Brücke zwischen den beiden Seiten, zwischen Menschen und Gott.

Dieses Sprachbild jedenfalls passt gut in eine landläufige Vorstellung des Gott-Welt-Verhältnisses. Gott auf der einen, die Welt mit den Menschen auf der anderen Seite eines großen Grabens, metaphysisch getrennt durch den Spalt von Schöpfer und Schöpfung, Geist und Materie, Grenzenlosigkeit und Begrenztheit.

Samstag, 23. Oktober 2021

Neue Energie zum neuen Sehen. Predigt zu Bartimäus (Mk 10,46-52)

Es ist ein wunderbares Beispiel, das uns da im Evangelium (Mk 10,46-52) vorgestellt wird – der blinde Bartimäus entwickelt ungeahnte Kräfte, als er merkt, dass Jesus vorbekommt.

Dazu drei Anstöße von mir:

Samstag, 9. Oktober 2021

Auf der Spur des Vertrauens. Zum Unterschied zwischen Christ:innen und Nichtchrist:innen

Ich bin in der Regel bemüht, die Gemeinsamkeiten von Christ:innen und Nichtchrist:innen herauszustellen und die christliche Botschaft so zu formulieren, dass sie möglichst leicht annehmbar ist.

Aber das heutige Evangelium (vgl. Mk 10,17-30) ist für mich ein Beispiel dafür, wie der kleine aber feine Unterschied aussehen kann.

Sonntag, 3. Oktober 2021

Ein Leib sein. Über Ehe und Christsein

Aus zwei mach eins!

Was auch gut für eine Rede zum Tag der deutschen Einheit taugen würde (Einen schönen Festtag auf diesem Wege!), ist im Evangelium des Sonntags (Mk 10,2-10) auf die Ehe gemünzt.

Also: Was für eine Herausforderung!

Jesus macht aus der Ehe eine echte menschliche Verwandlung. Denn aus den beiden Liebenden, die jeweils in sich "ein Fleisch" sind, wird nun zusammen "ein Fleisch" (v8). Und dies sagt er in einem Kontext, in dem es um die Ehescheidung geht – als Anfrage der Pharisäer, die von Jesus eine Aussage dazu haben wollen.

Sonntag, 5. September 2021

Wodurch wird geheilt? Drei Thesen zum Sonntagsevangelium

Was heilt einen Menschen eigentlich wirklich?

Der personalistische Existenzialist in mir antwortet ganz fromm und allgemein: Begegnung und Zuwendung. Und das mag auch sein. Aber wenn wir auf das heutige Evangelium von der Heilung eines Taubstummen schauen (Mk 7,31-37), wird diese Antwort aufgesplittert in einzelne Elemente.

Sonntag, 22. August 2021

Harte Worte und Worte zum Leben. Predigt zum Abschied aus der JVA

Wie es der Zufall will, ist es eine Abschiedsrede, die wir da im heutigen Evangelium (Joh 6,60-69) hören. Nach einer anstrengenden und langen Rede haben einige von denen, die Jesus nachgegangen sind, keine Lust mehr, bei ihm zu sein, denn es war ihnen einfach zu viel, was er da von sich sagte. Jesus seinerseits gibt ihnen noch einige grundsätzliche Dinge mit auf den Weg.

Meine heutige Situation hier vor Ihnen ist ganz verschieden von dieser Situation der Jünger – ich gehe nicht, weil mir das alles zu viel ist und ich will auch nicht noch ein Bekenntnis aus ihnen herauskitzeln, wie Petrus es dann abliefert. Aber auch ich möchte noch ein paar Dinge sagen, die mir wichtig sind. Dabei lasse ich mich anstiften von dem, was wir gerade gehört haben.

Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?“ (v60)

Im Gefängnis ist vieles nur schwer zu ertragen – manche Mitgefangenen, manche SozialarbeiterInnen, manche Bedienstete, manche Angehörige – aber allzu oft auch das ganze System Knast. Vorzeitiger Einschluss, nicht besetzte Zahlstelle, kein Besuch, schon wieder warten usw. Wer kann das ertragen?

Und dann auch noch die Seelsorger. Sprechen von Gott, wo doch so viele andere wichtigere Sachen anstehen – eine Überweisung, ein Telefonat, ein Päckchen Tabak oder eine VPK.

Samstag, 17. Juli 2021

Vom Ruhen und Aufbrechen, von Orientierung und Sorge. Predigt im Gefängnis

 

Vorbemerkung: So erschreckend ich die katastrophalen Bilder und Berichte aus den aktuell überfluteten Gebieten Deutschlands finde, so wenig halte ich sie für relevant in der Realität des Lebens in einem Berliner Gefängnis, weshalb ich dieses Thema nicht in der Predigt, sondern nur in den Fürbitten thematisiert habe.


Heute möchte ich auf drei unterschiedliche Perspektiven hinweisen, die uns im Evangelium des Sonntags (Mk 6,30-34) etwas sagen können: Da sind einmal die Jünger, da sind die Leute, die Jesus suchen und da ist Jesus selbst.

Sonntag, 4. Juli 2021

Ich will größer von dir denken. Ein Gedanke zum Sonntagsevangelium

Am Ende des Sonntags noch ein kurzer Blick auf das Evangelium.
Im Zentrum steht die Ablehnung Jesu durch die Menschen aus seiner Heimatstadt, als er sich dort nach langer Zeit wieder einmal aufhält (Mk 6,1b-6).

Jene Menschen sind der Überzeugung, ihn durch ihre Kenntnis seiner Familie gut genug zu kennen. So reduzieren sie Jesus letztlich auf das, was sie bereits von ihm wissen. Neues ist nicht eingeplant.

Schaue ich auf mich und mein Leben, erkenne ich oft ein ganz ähnliches Verhalten gegenüber Menschen, die ich schon lange und in bestimmten Rollen und Kontexten kenne.

Samstag, 19. Juni 2021

Die anderen Boote. Seitenblick auf das Evangelium von der Stillung des Sturms (Mk 4,35-41)

 Das Evangelium von der Stillung des Sturms (Mk 4,35-41) ist ganz konzentriert auf das Boot, in dem Jesus sich befindet. Nur in Vers 36 wird erwähnt, dass es auch "andere Boote" gab, die sie begleiteten.

Als die Jünger sich dann vor dem Sturm fürchten und Jesus nach ihrem Glauben fragt, wandelt sich die Geschichte zu einer wirklichen "guten Nachricht" von Jesus dem Sturmbezwinger und zugleich zur Frage nach dem Vertrauen auf Jesus in den Stürmen des Lebens.

Die "anderen Boote" tauchen in all dem nicht mehr auf. Doch wer waren sie? Was geschah mit ihnen während des Sturms? Wie hielten ihre Passagiere die Angst aus in den Booten, in denen Jesus nicht schlief?

Samstag, 12. Juni 2021

Gottes Same in uns. Eine Auslegung zu den Gleichnissen von der selbstwachsenden Saat und vom Senfkorn (Mk 4,26-34)

Rätselfrage: Was beginnt so winzig klein, dass man es beinahe übersehen kann – aber hat doch eine so unglaubliche Kraft in sich, dass es die Welt aus den Angeln hebt?


Wenn Sie jetzt an Corona denken, liegen Sie nicht falsch. Aber im Evangelium des heutigen Sonntags (Mk 4,26-34) vergleicht Jesus das Wachsen der Herrschaft (oder des Reiches) Gottes mit einem Senfkorn und seinem Wachsen zu einem großen Baum – erst winzig und dann riesig.

So wie Corona viel Angst und Sorge, Not und Unglück über die Welt gebracht hat – so will Gott mit seiner Herrschaft eine Welt des Friedens zu uns bringen.


***

Samstag, 29. Mai 2021

Der Über-neben-in-Gott. Gefängnispredigt zu Trinitatis

Was Gott angeht, habe ich anspruchsvolle Vorstellungen, das gebe ich zu:

Gott ist der eine, der über allem ist und zugleich ganz nah bei uns.


Dann: Er ist der, zu dem zu allen Zeiten und in allen Kulturen und Religionen unter verschiedenen Namen gebetet wurde. Aber wenn man sich die Religionsgeschichte anschaut, gibt es unterschiedlichste Vorstellungen von Gott und dem Göttlichen.

In manchen Überlieferungen und Traditionen scheint er eindeutiger in der Nähe der Menschen zu sein – in anderen wiederum ist er ferne und entrückt. Das erscheint erst einmal kompliziert bis widersprüchlich.

Wenn man es auf die nah-fern-Frage beschränkt: Wir Christen glauben beides. (Und noch mehr.)

Sonntag, 25. April 2021

In der Krise der Autoritäten vom Guten Hirten sprechen

"Ich kenne die Meinen"

Dabei sind wir so schwer zu kennen, rennen wir doch alle in unterschiedliche Richtungen – wir laufen Allesdichtmachern oder No-Covid-Agitatoren hinterher, hören auf Rahnerangriff oder Osterkonter, sind für Laschet oder Baerbock, lieben Papst Franziskus oder seine Kurie.

Diese Spaltungen sind so ermüdend!

Wenn da wirklich einer meint, er würde uns kennen, dann hätte er viel zu tun in jeder Richtung.

Und er käme zu einer unpassenden Zeit. Einer Autorität, die mir einflüstern wollte, dass sie uns kenne, stünde ich sehr skeptisch gegenüber.

Zu viele haben ihre Ohren angeblich nah am Herzen des einfachen Mannes, zu viele glauben nur den alleraktuellsten Meinungsumfragen, zu viele lassen sich treiben von angeblichen Bedürfnissen ihrer Wählerklientel.

Sonntag, 4. April 2021

Großostern oder Kleinostern? - Feiern wir das Leben!

1.
Vielleicht haben Sie in diesem Jahr ja schon Kleinostern gefeiert – einen dieser Ostermomente in unserem Leben:

Wenn jemand nach einer schweren Krankheit wieder gesund geworden ist.

Wenn sich Familienmitglieder nach einem Streit wieder vertragen.

Wenn nach dem langen Winter endlich der Frühling beginnt.

Wenn jemand nach einer Haftstrafe neu anfängt.

Wenn eine rettende Impfung kommt.

 

Freude, Erleichterung, Aufatmen, Mut fassen – das dazu gehörende Spektrum der Gefühle und Stimmungen ist breit.