Sonntag, 19. Juli 2026

Entfalten, was Jesus gesagt und getan hat. Abschiedspredigt in Frankfurt (Oder)

Auf Grundlage der folgenden Ausarbeitungen habe ich mich aus Frankfurt (Oder) am 05.07.2026 in der Pfarrkirche Heilig Kreuz und am 08.07.2026 im Hedwighaus verabschiedet - jeweils in leicht variierter und auf die jeweilige Gemeinde angepasster Form. 

Lose Grundlage war der biblische Text in Mt 11,25-30: "In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht."


Liebe Gemeinde, 


Heute möchte ich mich von euch und Ihnen verabschieden und ein wenig zurückschauen auf die letzten fünf Jahre, die ich in unserer Pfarrei hier tätig gewesen bin - aber ich schaue nicht zurück, weil ich so furchtbar viel Tolles geleistet habe, sondern zur Vergewisserung, was eine spirituelle Frucht sein könnte.


Viele verbinden mit einer kirchlichen Arbeit an Hochschulen ja regelmäßige Gemeindearbeit, Gesprächsrunden zu religiösen Themen, viel Gebet und Gottesdienst. 

Nun, was soll ich sagen, einiges davon gab es auch, aber diese Erwartung konnte ich nicht erfüllen.

Ich habe es nicht geschafft, eine echte Gemeinde aufzubauen, nicht geschafft, in unserer Ortsgemeinde regelmäßig mit Aktionen aus dem Bereich der Hochschule aktiv zu sein, nicht geschafft, bleibende Gebetsgruppen einzurichten, nicht geschafft, die Zahl der Kirchenmitglieder zu erhöhen…


Was habe ich also die ganze Zeit gemacht? (Und ich frage das nicht aus Koketterie, sondern angesichts mancher Erwartungen wirklich ernsthaft)


Ganz kurz: Wie so viele, die ihr Christsein auf unterschiedliche Weise leben oder für die Kirche tätig sind, habe ich versucht, das zu entfalten, was Jesus gesagt und getan hat. 


1

Konkret haben wir gerade gehört, wie Jesus jene seligpreist, die nicht schon fertig ausgebildet und klug sind, sondern noch fragen und nicht fertig sind.

Der Text sagt „Unmündige“ in unserer Übersetzung, andere Übersetzungen sprechen von „Kleinkindern“, „Einfältigen“, „Unwissenden“, „einfachen Leuten“ - zusammenfassen könnte man sicher, dass Jesus hier jene preist, die noch lernen, die sich mit ihrem Wissen über Gott noch keine Festung gebaut haben, die noch mehr wissen wollen.


Studierende also - wissbegierig, offen für das Neue im Leben… sie sind natürlich all das...

 "Lernt von mir!“ sagt Jesus.


Aber in genau diesem Sinne war es mir wichtig, auch andere anzusprechen, die noch keine fertigen Vorstellungen von Gott haben. 

Gemeinde und ein inner circle mit denen, die sowieso schon kommen, sind wichtig - aber eben auch jene, für die es eine Überwindung ist, kirchliche Räume zu betreten, oder auch nur kirchliche Angebote wahrzunehmen.


2

Was noch?

Jesus lädt im heutigen Evangelium die ein, die mühselig und beladen sind. Für sie ist Gottes Liebe in besonderer Weise da.

Auch hier können wir bei Studierenden ein Häkchen machen - Prüfungen und Überforderung, Sorgen um den Arbeitsmarkt der Zukunft, finanzielle Probleme, Stress mit den Mitbewohnerinnen, die schlafen wollen, …


Aber mühselig und beladen, das sind viel mehr Menschen - es geht Jesus immer, wie bei den Seligpreisungen, der Blick von unten, nicht der Blick der Zufriedenen, Mächtigen und Wohlhabenden. 


Als am 24. Februar die russische Vollinvasion in die Ukraine begann, haben wir nicht nur gebetet, sondern sind für jene, die auf ihrer Flucht vor dem Krieg hierher gekommen sind, auch ganz selbstverständlich praktisch tätig geworden.

Der Bonibus konnte für Menschen und Hilfsgüter genutzt werden, unsere Räume im Kolbehaus wurden zeitweise zusammen mit dem CVJM als Hilfsschule genutzt, es gab finanzielle Hilfen, auch das Gemeindehaus in Golzow wurde einer ukrainischen Familie zur Verfügung gestellt.

Man könnte mit etwas Pathos sagen: Im Sinne Jesus haben wir den Egoismus verabschiedet und uns für Weitsicht und Solidarität entschieden.

Ich bin sehr dankbar, dass das alles hier so umstandslos möglich war und habe mich gern in den Dienst der Hilfe für Menschen aus der Ukraine gestellt.


3

Hier lässt sich auch gleich anschließen an dem, was Jesus oft und gern gemacht hat - er liebte und lebte Gastfreundschaft und Teilen. Er saß in Galiläa und Jerusalem mit vielen sehr unterschiedlichen Menschen bei Tisch - so ähnlich, wie es hier ja auch beim Kirchencafé praktiziert wird, wo alle eingeladen sind.

Noch einen Schritt weitergegangen sind wir am Gründonnerstag 2025 mit der Einladung zum ökumenischen „Tisch für alle“ in der Marienkirche. So wie es bei den Christlichen Begegnungstagen mit der langen Tafel vom Markt bis zur Oder schon geübt wurde - Platz für alle, Raum für Gespräche, offen für Gott.


Am Grill neben dem Glashaus, auf dem Ausflug mit Studis in die Sächsische Schweiz oder beim adventlichen Singen am Feuer im Hof des Gemeindehauses - immer gab es Gelegenheit, miteinander zu essen und in Kontakt zu kommen. Das alles sind sehr schöne Erinnerungen für mich…


Was noch?

Jesus hat die richtigen Worte gefunden, um Grenzen zu überwinden. Mit dem Straßenwörterbuch vom Verein Kunstgriff haben wir das 2022 auch hier versucht - gute Worte finden für die Doppelstadt. 

Liebe, Geduld, Freiheit, Hoffnung, Zusammenhalt, Mut, umarmt euch!, vereint, Zusammenarbeit, Freundschaft … das waren einige der Wörter, die wir auf Polnisch, Deutsch, Ukrainisch auf die Gehwege der Doppelstadt geschrieben haben. 

Ich glaube, es waren auch einige geistliche Anregungen und Worte im Sinne Jesu dabei.


Manche Worte richten aber auch Grenzen auf. Das ist manchmal wichtig, um Klarheit zu schaffen und sich abzugrenzen, das ist manchmal aber auch unnötig und verletzend. Ich habe mich dabei - besonders mit meinem polnischen Kollegen in Slubice - manchmal schwergetan, noch die nötigen Gemeinsamkeiten zu finden, wenn die Meinungen weit auseinandergehen. 

Um es klar zu sagen - ich glaube nicht, dass Queerfeindlichkeit im Sinne Jesu ist.


Ja, ganz insgesamt ist die deutsch-polnische Grenze hier vor Ort eine besondere Herausforderung - und ich bin sehr froh, dass viele Haupt- und Ehrenamtliche hier sind, die gute Worte für das Miteinander suchen und denen es ein dauerhaftes Anliegen ist, zu vermitteln und neue Gemeinschaft zu stiften.


5

Und sonst?

Jesus hat zur Versöhnung aufgerufen - dazu gehört natürlich auch die Entschuldigung, das Bitten um Nachsicht und die Reue.

2023 stand drei Monate lang die monumentale Skulptur SORRY von Joanna Rajkowska an der Oderpromenade, die wir mit viel Unterstützung auch aus dem Erzbistum hierher holen konnten.

Die Künstlerin klagt mit ihrem Kunstwerk - in gewisser Weise ganz auf den Spuren Jesu - die Doppelzüngigkeit und Falschheit an: dort wo ein Bedauern oder ein Entschuldigen (mit dem universalen „Sorry“) einfach nur behauptet wird, aber nicht aus dem Inneren kommt, dort bleibt es wie eine Mauer - ein Widerspruch in sich. Hier: ein SORRY in 3m hohem Beton. 

Auch Jesus kritisiert mit sehr harten Worten die, die zwar an Riten und Formen festhalten, aber ihr Herz nicht ändern - und wo die Mauern bleiben. 


Joanna Rajkowska hat mit diesem künstlerischen Statement auch ein Zeichen setzen wollen gegen die Doppelzüngigkeit der EU, die sich manifestiert in der unmenschlichen Migrationspolitik der Europäischen Union. Für die Künstlerin besonders erschreckend: In den Wäldern zwischen Belarus und Polen sterben bis heute viele Migranten, die vom dortigen Regime unter falschen Versprechungen nach Belarus gelockt werden, um sie dann an die befestigte EU-Außengrenze zu bringen. 

Um es klar zu sagen: Es ist eine Schande, dass der EU-Grenzschutz viele dieser Menschen, auch Schwangere, auch Kranke, auch Kinder zusammenschlägt, ausraubt, zusammentreibt, hungern lässt und wieder nach Belarus zurückschickt. Auch die schrecklichen Szenen vom Mittelmeer kennen wir alle.


Ja, die Mühseligen und Beladenen - Jesus lädt sie ein - und die EU schickt sie weg und lässt sie krepieren.


Angesichts dieser Realität ist das Kunstwerk SORRY ein prophetisches Zeichen. 

Aber Zeichen reichen nicht: Ich finde, Christinnen und Christen dürfen angesichts dieser Politik nicht schweigen. Jesus fordert den Einsatz für jene, die am Rande stehen, die untergebuttert werden, die keine Lobby haben…


Die potentielle Kriminalisierung vieler Hilfen für Menschen auf der Flucht macht es mir schwer, andere Dinge konkret zu benennen - aber konkrete Hilfe ist auch hier vor Ort in Frankfurt (Oder) und Slubice nötig. 

Ich kann alle nur darum bitten, die Augen offen zu halten und die Menschen auf der Flucht nicht zu vergessen. (Jesus selbst war übrigens auch ein Flüchtling, als seine Eltern mit ihm vor Herodes nach Ägypten flohen - ein Grund mehr, Geflüchtete zu unterstützen!)


6

In dieser Frage - und auch an vielen anderen Stellen - ist es mir in den letzten Jahren wichtig geworden, mit möglichst vielen Menschen und Institutionen Kontakte zu knüpfen und zu kooperieren in den Kirchen, aber besonders auch mit jenen, die keine Anbindung an die Kirche haben. 


Jesus war zwar manchmal rigide und hat nicht immer die Verbindung über seine Gemeinschaft hinaus gesucht. Bevorzugt hat er sich an seine jüdischen Glaubensgenossen gewandt. Aber oft genug kam er in engeren Kontakt auch mit denen, die zunächst ferne waren - als Römer oder Samariterinnen, als Kollaborateure oder als besonders Fromme, als Fischer und als gelähmte Bettler, als Aussätzige oder als des Ehebruchs Angeklagte.

Jesus trat in Kontakt und kam ins Gespräch mit seiner ganz persönlichen Botschaft - und überall rief er zur Umkehr auf, sprach Mut zu, heilte, tröstete.

Nicht alles davon war mir möglich oder vergönnt. 


Aber ich bin sehr froh, dass ich in Frankfurt (Oder) viele Menschen getroffen habe, die offen sind für gemeinsame Aktionen: besonders habe ich mich gefreut, dass wir letztes und vorletztes Jahr im November mit einigen Aktiven aus der Jungen Union und mit den politisch sicher eher anders orientierten Aktiven von Utopia e.V. zusammen Stolpersteine putzen konnten. 

Dieses Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus gemeinsam zu setzen finde ich äußerst wichtig.


7

Zu guter Letzt: ich habe Jesus immer als jemanden wahrgenommen, der Gottes Gegenwart nicht nur in Gotteshäusern und in Begegnungen mit Menschen fand. Sondern auch in der Natur - Jesus war auf den Bergen Galiläas unterwegs, er ging spazieren am See, er wanderte in der Wüste und an seinem letzten Abend in Freiheit ging er in einen Garten, um dort zu beten.


In Frankfurt habe ich diese besonderen Orte in der Natur vor allem an der Oder gefunden - und laufe dort regelmäßig, immer wieder auch mit Studierenden. Der Fluss, die Wäldchen, die Weite der Wiesen, der morgendliche Nebel und die Sonne über Polen: all das öffnet die Sinne und den Geist für Gottes Weite.


Das war viel!

Darum zum Mitnehmen ein paar Schlagworte, die als Entfaltung von Jesu Worten und Taten hier übrig bleiben könnten:


Versöhnung!

Grenzen überwinden!

Gute Worte machen!

Wirklich meinen, was gesagt ist!

Gastfreundschaft! 

Miteinander essen!

Zuwendung zu denen, die Hilfe brauchen!

Natur erleben!

Und in allem: Gott suchen und finden - denn er will uns erquicken! 


Montag, 1. Juni 2026

Militärische Hilfe als Nächstenliebe - Disput um einen Radiobeitrag

Vor einigen Tagen durfte ich in den kirchlichen Verkündigungssendungen des rbb fünf Radiobeiträge veröffentlichen, die ich unserer Reise in die Ukraine gewidmet habe. 

Ein Beitrag hat starke Reaktionen provoziert, auf die ich wiederum eine Antwort geschrieben habe. Den Originalbeitrag (hier auch nachzuhören), eine Paraphrase der Kritik und meine Antwort stelle ich hier zur Verfügung:
 

Mittwoch, 27. Mai 2026

Kommt uns besuchen! Radiobeitrag zur Reise in die Ukraine

 Der folgende Beitrag wurde am 26.05.2026 als "Wort für den Tag" im rbb gesendet.

 

Im April bin ich mit einer kirchlichen Delegation aus dem Osten Brandenburgs in die Ukraine gefahren.
Die Reise hat eine längere Vorgeschichte: Am Anfang stand der Besuch des evangelischen Bischofs von Charkiw, Pavlo Shvarts, bei den Christlichen Begegnungstagen in Frankfurt (Oder) vor ziemlich genau zwei Jahren. Damals erzählte er uns von der schwierigen Situation der Menschen im Krieg.

Auf die Frage, wie wir hier in Brandenburg ihm und seiner kleinen Kirche helfen könnten, antwortete er: „Kommt uns besuchen.“ Zunächst hat das niemand wirklich ernst genommen. Doch bei weiteren Kontakten äußerte er genau diese Aussage immer wieder.

Nach diesem so furchtbaren Winter, als es durch die russischen Angriffe in manchen Landesteilen über Wochen weder Heizung noch Strom noch Wasser gab, ist die Idee eines Besuchs dann konkreter geworden. Gerade jetzt wollten wir unsere Solidarität mit den vom Krieg gebeutelten Menschen irgendwie zeigen.

Ich selbst hatte ehrlich gesagt noch Zweifel: Sollen wir wirklich einfach so ins Kriegsgebiet fahren? Was wollen wir denn bewirken? Ja, worin besteht unsere Hilfe eigentlich, wenn wir zu Besuch kommen?

All diese Fragen haben wir uns gestellt, als sich langsam die Gruppe mit Menschen aus Frankfurt (Oder), Lieberose, Seelow, Fürstenwalde und Berlin bildete. Kritisch haben wir uns auch befragt, ob wir unseren Gastgebern nicht mehr Sorgen und Ärger machen, wenn wir kommen. Auf keinen Fall sollte es zu einer übermäßigen Gefährdungslage kommen.

Entscheidend dafür, dass wir am Ende doch gefahren sind, war die wiederholte Einladung: „Kommt uns besuchen!“

Das wurde auch das innere Zentrum unserer Reise: Wir sind Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten in verschiedenen Landesteilen begegnet und mit ihnen ins Gespräch gekommen. Alle, mit denen wir sprachen, waren unglaublich dankbar über unser Kommen und erzählten sehr offen, was sie bewegt. Unsere gefühlte Solidarität wurde auf diese Weise greifbarer.

Wir haben gemerkt: einander besuchen ist ein wertvolles Zeichen der Nähe – gerade in schwierigen Zeiten. 
Bei uns in Deutschland herrscht kein Krieg – aber auch hier können wir einander diese Zeit und Aufmerksamkeit schenken!

 

Donnerstag, 16. April 2026

Vom Glauben im Krieg. Eindrücke einer ökumenischen Reise in die Ukraine

 In der Osterwoche machte sich eine Gruppe aus Ostbrandenburg auf den Weg nach Kyjiw und Odesa. Organisiert durch das Oekumenische Europa-Centrum Frankfurt (Oder) und den Evangelischen Kirchenkreis Oderland-Spree war die Reise unsere Antwort auf die Einladung des lutherischen Bischofs Pavlo Shvarts aus Charkiw, der 2024 bei den Christlichen Begegnungstagen zu Besuch in Frankfurt war. 
Mit unserem Besuch wollten wir unsere Verbundenheit und Solidarität auch durch persönliche Nähe und Begegnung ausdrücken. Darum standen die Besuche und das Kennenlernen der Menschen im Zentrum der Reise.

Mittwoch, 28. Januar 2026

Alles neu mit Freiheit, Trost und Lebendigkeit

Der folgende Text bildet die Grundlage für die Predigt im Rahmen des Hochschulgottesdienstes in Frankfurt (Oder). Basis ist die Jahreslosung für 2026: "Siehe, ich mache alles neu!", Textgrundlage ist der folgende Bibeltext:

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 
Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 
Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Off 21,5)

Ich liebe diesen Text sehr. Und das aus vielen Gründen: er hat einen sehr einprägsamen Rhythmus – und ich sah, und ich sah, und ich hörte, und er wird wohnen, und er sprach, … - außerdem ist es ein Text voller prägnanter Bilder – eine neue Erde, die neue Stadt aus dem Himmel, das Abwischen der Tränen, das lebendige Wasser...

Freitag, 29. August 2025

Ein Hoffnungszweig für die Menschheit. Betrachtung zu einem mittelalterlichen Fenster in der Frankfurter Marienkirche.

(diese Ansprache basiert auf einer Andacht im Rahmen der sommerlichen Mittagsandachten in der Frankfurter Hauptkirche)

Wir sitzen vor den berühmten mittelalterlichen Bleiglasfenstern der Marienkirche Frankfurt (Oder) – drei Stränge werden uns hier vorgestellt: links die Schöpfung, im Zentrum das Leben Jesu, rechts die Endzeit mit dem Antichristen.

Heute schauen wir auf eines der oberen Motive im Schöpfungsfenster: es geht um die Geschichte des Noah, die in drei Episoden visualisiert wird. Links sehen wir Noah beim Bau der Arche, in der Mitte die fertige Arche auf dem Berg – und wir konzentrieren uns auf das letzte Bild ganz rechts.

Ich möchte in drei Schritten mit Ihnen durch das Bild gehen.

Mittwoch, 23. Juli 2025

"Alles hat seine Zeit!" - Semesterabschlussgottesdienst in der Ausstellung "Wo liegt eigentlich dieses Ostdeutschland?"

 Biblischer Text für den Semesterschlussgottesdienst in der Ausstellung „Wo liegt eigentlich dieses Ostdeutschland?“ in der Friedenskirche Frankfurt (Oder):

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären / und eine Zeit zum Sterben, / eine Zeit zum Pflanzen / und eine Zeit zum Ausreißen der Pflanzen, eine Zeit zum Töten / und eine Zeit zum Heilen, / eine Zeit zum Niederreißen / und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen / und eine Zeit zum Lachen, / eine Zeit für die Klage / und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steinewerfen / und eine Zeit zum Steinesammeln, / eine Zeit zum Umarmen / und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen / und eine Zeit zum Verlieren, / eine Zeit zum Behalten/ und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen/ und eine Zeit zum Zusammennähen, / eine Zeit zum Schweigen / und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben / und eine Zeit zum Hassen, / eine Zeit für den Krieg / und eine Zeit für den Frieden. (Koh 3,1-8)

 

Oliver Barth, "Mein letzter Arbeitstag" in 
"Wo liegt eigentlich dieses Ostdeutschland?" in 
der Friedenskirche Frankfurt (Oder).
Alles hat seine Zeit!

Wir haben diesen biblischen Text gehört und uns dafür heute vor dieses Bild von Oliver Barth gesetzt.

Mein letzter Arbeitstag“ – für Studierende wirkt das vielleicht erst mal nicht passend, weil der Einstieg ins Erwerbsleben in der Regel erst noch bevorsteht.

Aber bevor wir uns inhaltlich mit dem Titel und seiner Botschaft auseinandersetzen, schauen wir das Bild zunächst genauer an: Es ist mehrfach aufgeteilt. Oben und unten große Farbflächen. Orange, braun und rot bestimmen das Farbspektrum. Rechts und links vom Zentrum verschiedene Anzeigen, Knöpfe und Regler auf wüstem Grund, auch Fotos und Schilder mischen sich darunter. Und in der Mitte: ein Maschendrahtzaun, der scheinbar geöffnet wurde und den Blick freigibt auf eine trockene Landschaft. In die Ferne ziehen sich Risse im Erdboden. Über allem ein dunkler Himmel, in dem steht: „Mein letzter Arbeitstag“.

Angewendet auf unser Thema wirkt es, als wäre außen eine Zeit für Arbeiten – und in der Mitte eine Zeit für… ja für was eigentlich?

Ist es Freiheit? Ungewissheit? Eine Zukunft ohne Zäune und Grenzen?

Zum Verstehen des Bildes ist sicher wichtig zu wissen, welcher Kontext dahinter steht: Es geht in diesen Bildern und in der Ausstellung um Ostdeutschland. Und deshalb sind Erfahrungen und Geschichten ostdeutscher letzter Arbeitstage in dieses Bild eingeflossen.

Es zeichnet ein eher trübes Bild vom Leben nach der Erwerbsarbeit – denn in Ostdeutschland bedeutete das in den 90er Jahren in erster Linie Massenentlassungen. Aus den Betrieben, die neben der Erwerbsarbeit auch ein soziales Umfeld schufen und viel von den Möglichkeiten und Grenzen in der Freizeit prägten, aus diesen Betrieben, aus Kollektiven und Gruppen wurden viele hinaus entlassen. Und standen nun, in der Zeit der offenen innerdeutschen Grenzen und dann des vereinten Deutschland vor einer unklaren Situation. Anders als erhofft, kam es nicht sofort zu blühenden Landschaften, vielmehr traten Brache und Ödnis im Kontrast zum neuen Westen erst jetzt richtig krass hervor.

Eine Zeit zum Arbeiten – und eine Zeit, um entlassen zu werden.
Eine Zeit der offenen Grenzen – und eine Zeit der Orientierungslosigkeit.“

So könnte der Kontext Ostdeutschland das Bild erhellen.

Ich möchte jetzt aber noch einen weiteren, allgemeineren Blick wagen: Was heißt es, drinnen zu sein – und was, draußen?

Auch hier ist das Kunstwerk interessant: Wir befinden uns in einem Kirchenraum, in dem ein Bild einen Blick nach außen darstellt. Aber eben nicht den Blick auf ein Außen vor der Kirche oder in Frankfurt, sondern auf ein imaginiertes Außen irgendwo und nirgends.

Soweit, so normal. Das ist ja eine der Aufgaben von Kunst – zeigen, was nicht ist oder was sein könnte.

Für mich schließen sich daran einige Fragen an, die über das Bild hinausgehen:

1. Welches Außen zeigen wir als Kirchen in unserer Verkündigung?

Ist es die „böse Welt“, das fremde Außen, mit dem wir am liebsten nichts zu tun haben wollen? Ist es das Bild einer feindlichen Welt, vielleicht wüst und karg, weil hier im Osten das Christentum nicht mehr blüht?

Oder ist es das Bild von Gottes guter Schöpfung, die zu gestalten wir berufen sind, eine Welt, in der Spannungen dazugehören, die aber unser Zuhause ist und an deren Schönheit wir uns freuen können?

Eine Zeit der bösen Welt – und eine Zeit der guten Schöpfung Gottes“ – in welcher Zeit des Blicks nach draußen befinden wir uns gerade?

Natürlich gibt es auch hier eine gewisse Vielfalt, je nach Mentalität und Erfahrungen.

Ausstellungsansicht 
"Wo liegt eigentlich dieses Ostdeutschland?"
2. Und wenn wir unsere inneren Augen öffnen – das Studium, die Lage der Welt, die eigenen Pläne, Freunde und Familie…

Sehe ich dann vielleicht eher eines der farbenfroheren Bilder von Anja Beeken vor mir – oder doch die Wüste?

Welche Zeit ist in mir? Sind die Zäune schon durchbrochen – oder hänge ich noch an den Maschinen mit ihren Anzeigen und Reglern?

3. Und, weil wir ja in einem Gottesdienst die ganz grundsätzlichen Fragen angehen können:

Was ist dieses Draußen? Bin ich als Mensch wirklich im Gegenüber zum Draußen – oder gehöre ich nicht vielmehr an die frische Luft, in den Wald, ins Wasser?

Mit einem nicht wirklich berechenbaren Körper (und vom Geist ganz zu schweigen), bin ich selbst Teil des wilden Draußen, bin Natur und nicht eingehegt. Und nur teilweise ein „Innen“, das mir meine Kultur oder mein Verstand oder meine Kleidung manchmal nahelegen.

Mich inspiriert gerade ein Buch, das „Wilde Kirche“ heißt. Darin erzählt der Autor Jan Frerichs von seinen Erfahrungen mit sich selbst und der Natur – und mit Gott, den er ganz neu kennenlernt. Denn ohne die oft etwas verkopften Vorstellungen vom Glauben geht es ihm auch darum, dass wir (ähnlich wie ich es gerade beschrieben habe) uns selbst als Teil eines Ganzen wahrnehmen. Als Teil der Welt und als jene, die von Anfang an in der Wildnis Gott begegnen können. So wie es in der Bibel oft berichtet wird – Gott in der Wüste, auf einem Berg, in der Einsamkeit.

Wenn ich auf das Bild schaue, dann ist das Draußen nicht sehr einladend.
Aber vielleicht sind meine Augen auch vorgeprägt. Vielleicht sehen meine Augen ein Draußen, das stark von meinem Drinnen-Blick geprägt ist. Also von einem Blick, der ordnet und sortiert und vielleicht lieber auf Nummer Sicher geht.

Und wenn wir weiter über das Bild hinausgehen, dann stellt sich natürlich die Frage, wie ich drauf bin. Wie ich jetzt gerade bin. Wie ich in mich und auf Gott und auf die Welt um mich herum schaue.
Oder um mit dem Thema des Gottesdienstes zu sagen:

Alles hat seine Zeit – eine Zeit für drinnen und eine Zeit für draußen.“

Und wenn Drinnen für das Menschengemachte steht, für die den Fokus auf eine Hierarchie, auf eine geordnete Glaubensvermittlung durch Katechese und Glaubenskurse, dann ist das Draußen die eigene Erfahrung.

In diesem Drinnen haben wir ja sehr lang gelebt als Menschen, als Gläubige.

Mit Heiligen Schriften, mit Tempeln und Kirchen, mit Riten und Feiern – und die können uns auch wirklich helfen.

Aber schon mein Atem kann mich zu Gott führen – in mir und außerhalb, unsichtbar und belebend, immer in Bewegung.

Auch die Natur ist eine Spur Gottes – mit dem Blick über den Nebel der Oder an einem Herbstmorgen, mit den überwältigenden Ausblicken von Berggipfeln, mit dem unendlichen Kommen und Gehen der Wellen am Strand.

Nicht umsonst ist in der Bibel die Rede von Abraham, Mose, Elija, ja auch von Jesus, die Gott begegnen in der Wildnis – in der Wüste, auf Bergen, an Gewässern.

Die Wüste auf dem Werk von Oliver Barth scheint keine Verheißungskraft zu haben. Und das ist verständlich, wenn wir die ostdeutschen Erfahrungen im Hinterkopf haben. Aber mit der Erfahrung der Menschen aus den biblischen (und vielen anderen religiösen) Traditionen lässt sich sagen, auch in der Wüste gibt es:

Eine Zeit, in wüster Verzweiflung Gottes Spuren zu entdecken – und eine Zeit in großer Weite Hoffnung zu schöpfen.“

Und ganz allgemein: Wir können beide Wege nutzen – Gott zeigt sich uns in der Verkündigung der Kirche (hoffentlich) genauso gut wie in dem „bestirnten Himmel über mir“, von dem Immanuel Kant mit „Bewunderung und Ehrfurcht“ sprach.

Aber wer entscheidet, für was es jetzt Zeit ist – für mich – für dich?

Das müssen wir wohl selbst tun – und können darauf vertrauen, dass Gott unsere Bitte hört, wenn wir dabei Orientierung suchen.

 

Infos zum Ausstellungsprojekt: Wo liegt eigentlich dieses Ostdeutschland?

Träger: Oecumenisches Europa-Centrum Frankfurt (Oder) e.V.

Mittwoch, 2. Juli 2025

Grenzen zu und alles gut? Kommentar zu den beidseitigen Grenzkontrollen

 Es ist ein weiterer Schritt zurück in nationalen Egoismus - und der große Aufschrei bleibt aus!

Beidseitige Grenzkontrollen zwischen Polen und Deutschland zerstören die europäische Einheit und Gesellschaft mehr und mehr. Aber sowohl die lokalen als auch die bundesweiten Reaktionen bleiben angesichts der Ungeheuerlichkeit dieser Aufhebung des freien Grenzverkehrs seltsam verhalten.

Samstag, 22. Juni 2024

Sturm und Welt und Ruhe. Predigt zu Mk 4

Das heutige Evangelium bietet eine solche Menge an Auslegungsmöglichkeiten, dass ich mich nicht entscheiden konnte – und heute einfach mehrere zur Wahl stellen möchte.

Und weil wir in einer Wortgottesfeier das Wort Gottes feiern wollen, liegt es vielleicht sogar nahe, diesen Reichtum, der in der Bibel steckt, aufleuchten zu lassen.

Sonntag, 28. Januar 2024

„Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?“ (Mk 1,24) - Radiobeitrag

 So oder so ähnlich werde ich am 28.01.2024 ca. 8:40 Uhr auf rbb 88,8 mit einem "Wort zum Tag" zu hören sein:


Öffentlich zur Schau gestellte Aggressionen machen mich oft ratlos. Denn ich will auf Geschrei und Handgreiflichkeiten nicht in gleicher Weise antworten - und so weiß ich manchmal nicht, wie ich am besten reagieren sollte.

Es sind unruhige Zeiten: Der Ton ist rau und unwirsch geworden in unserem Land. Die Nerven scheinen blank zu liegen. Sei es nun bei Bauernprotesten oder Bahn-Streiks, im Internet oder bei der Arbeit.

Auch Jesus wurde nicht selten mit Aggressionen und Unzufriedenheit empfangen – denn seine Botschaft von Gottes überschwänglicher Liebe kam nicht überall gut an. Dementsprechend berichtet die Bibel von vielen Streitgesprächen.

Und auch Jesus musste auf diese Aggressionen reagieren. Einmal wird erzählt von einem Mann, der sofort losschreit, als Jesus den Raum betritt: „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?“ (Mk 1,24)

Jesus reagiert ganz kurz und klar: „Schweig und verlass ihn!“ (Mk 1,25) sagt er. Jesus ist nicht ratlos - er weiß, was zu tun ist.

Natürlich kann es in einer Demokratie nicht darum gehen, anderen einfach das Wort zu verbieten. Meinungsfreiheit ist schließlich ein hohes Gut in unserem Land und jeder darf seine Meinung auch auf der Straße kundtun. Das haben auch die vielen Demonstrationen – von Frankfurt/Oder über Hamburg bis Spremberg – gezeigt.

Demo "Nie wieder ist jetzt!"
am 27.01.2024 in Frankfurt (Oder)
Ja, es gibt viele gute Gründe, für die es sich lohnt, auf die Straße zu gehen. Und es gibt vieles, über das man unzufrieden sein kann.

Aber um es ganz deutlich zu sagen: Wer unzufrieden ist, muss deswegen nicht menschenfeindlichen Positionen nachlaufen. Wer unzufrieden ist, muss deshalb keine Umsturzideen kultivieren. Wer unzufrieden ist, muss nicht rechtsextrem werden oder rechtsextrem wählen. Unzufriedenheit rechtfertigt keine Gewaltfantasien.

Denn auch wer unzufrieden ist, kann Argumente suchen. Kann Lösungen vorschlagen, die allen zugutekommen und nicht auf noch mehr Gegeneinander hinauslaufen.

Eine Haltung des puren Dagegen führt aus der Unzufriedenheit nicht heraus – sondern nur tiefer in sie hinein.

Bei manchen Aggressionen, die mir begegnen wünsche ich mir deshalb vor allem Jesu Klarheit. Er setzt ein Stoppschild. Wenn die Begrüßung heißt: „Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?“, dann kann man darüber nicht diskutieren. Pöbelei ist kein Diskurs. Das macht Jesus unmissverständlich klar.

Vielleicht hilft mir - und Ihnen - das angesichts der nächsten Ratlosigkeit ja weiter.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag!

Samstag, 30. Dezember 2023

Persönlicher Jahresrückblick 2023

Mein Jahr 2023 spiegelt sich für euch in 46 Facetten. 

Statt eines Textes oder Bildern gibt’s Tops, obwohl die dritten Tops, also „Top 7 Enttäuschungen“ eigentlich Flops sind, aber es war mir wichtig, euch eine gute Ordnung zu präsentieren und euch mit meinem Musikgeschmack zu verschonen (außer „Lor“, die müsst ihr einfach hören. Na gut, auch „Kwiat Jabłoni“ ist richtig toll, Dua Lipa und Jerry Heil für die gute Laune kennt ihr ja sicher schon), deshalb erwähne ich hier nur wirklich wichtige Dinge für mich, auch wenn dadurch ein oder zwei Sachen rausfliegen, anderes wegen der richtigen Anzahl an Tops reinkommt und eine komische Reihenfolge entsteht, die Wichtiges nicht am Anfang stehen lässt und am Ende einen solchen Bandwurmsatz an den Anfang zaubert.

Freitag, 6. Oktober 2023

SORRY in FFO. Ansprache bei der Finissage

Herzlich willkommen – und vielen Dank, dass ihr heute Abend hierhergekommen seid!

Besonderen Dank für die Performance als Auftakt!

Ich werde ein wenig stichprobenartig auf verschiedene Ebenen von SORRY in Frankfurt (Oder) schauen.

Die Performance hat die Vielfalt unserer Veranstaltungen rund um SORRY angerissen:Denn es gab in diesem Sommer sehr viele unterschiedliche Aktionen, die wir hier erleben und gestalten konnten:

Hier wurde gesungen und musiziert – auf polnisch, deutsch und ukrainisch.
Hier wurde gemalt und geschrieben bei einem Workshop für die Oder.
Es wurden Texte auf belarussisch deklamiert.

Donnerstag, 13. Juli 2023

Sorry, not Sorry - Predigt zum Semesterabschlussgottesdienst

Um Entschuldigung bitten, bereuen, sich versöhnen – das sind Grundmotive, die dem Christentum schon seit seinem Ursprung innewohnen. Denn vieles kreist darum, wie die Beziehung zwischen Mensch und Gott wieder in Ordnung gebracht werden kann.

Tun wir Menschen das dadurch, dass wir uns an die Regeln halten, die Gott aufgestellt hat? Müssen wir Opfer bringen, wenn es nicht klappt? Droht uns harte Strafe, wenn es nicht zur Versöhnung kommt?

Dienstag, 4. Juli 2023

SORRY in Frankfurt (Oder) - Über innere Widersprüche und die Kirche in der Welt

 (Dieser Text erschien zuerst auf www.feinschwarz.net)


Am Ufer der Oder, direkt neben der Brücke, die Polen mit Deutschland verbindet, steht in diesem Sommer eine massive Mauer, verschlungen und labyrinthisch anmutend. Drei Meter hoch und oben mit Glas bestückt, wirkt sie wie eine Erinnerung an die Zeiten, als sich durch Europa und durch Deutschland noch sichtbare Grenzen zogen.

Ihre eigentliche Wirkung entfaltet die Mauer jedoch, wenn man sie von oben betrachtet, denn dann zeigt sich, dass die Mauern das Wort „SORRY“ formen.

Dienstag, 13. Juni 2023

Unruhe - Gastpredigt in der KSG Berlin

(Hörversion hier: https://ksg-berlin.de/into-the-unknown-2-unruhe/)

Was würde besser zum Semesterthema „into the unknown“ passen als Unruhe – Unruhe als Unsicherheit vor dem Unbekannten, in das wir unterwegs sind.

Als ich mich mit dem Thema Unruhe zur heutigen Predigt gemeldet habe, wusste ich nicht, was genau für eine Unruhe mich noch packen wird. Denn es gibt ja die verschiedensten Formen von Unruhe. Ich erzähle euch von einer.

Gerade arbeite ich an der Umsetzung eines größeren Projektes, bei dem wir eine sehr große Betonskulptur der polnischen Künstlerin Joanna Rajkowska aus Warschau nach Frankfurt an die Oder holen wollen. Dann soll mit verschiedenen Veranstaltungen ein breites Feld an Themen rund um die Skulptur aufgerissen werden, zusammen mit studentischen Initiativen, Lehrpersonen und anderen.
Weil die Skulptur schon ab morgen in Warschau abgebaut wird und wir bis Mitte dieser Woche noch keinen offiziellen Leihvertrag hatten und sich mit Versicherungen, Genehmigungen und Transportfirmen noch eine ganze Reihe unserer Probleme türmten, waren meine Tage bis Fronleichnam sehr unruhig.