Der folgende Beitrag wurde am 26.05.2026 als "Wort für den Tag" im rbb gesendet.
Im April bin ich
mit einer kirchlichen Delegation aus dem Osten Brandenburgs in die
Ukraine gefahren.
Die Reise hat eine längere Vorgeschichte: Am
Anfang stand der Besuch des evangelischen Bischofs von Charkiw, Pavlo
Shvarts, bei den Christlichen Begegnungstagen in Frankfurt (Oder) vor
ziemlich genau zwei Jahren. Damals erzählte er uns von der
schwierigen Situation der Menschen im Krieg.
Auf die Frage,
wie wir hier in Brandenburg ihm und seiner kleinen Kirche helfen
könnten, antwortete er: „Kommt uns besuchen.“ Zunächst hat das
niemand wirklich ernst genommen. Doch bei weiteren Kontakten äußerte
er genau diese Aussage immer wieder.
Nach diesem so
furchtbaren Winter, als es durch die russischen Angriffe in manchen
Landesteilen über Wochen weder Heizung noch Strom noch Wasser gab,
ist die Idee eines Besuchs dann konkreter geworden. Gerade jetzt
wollten wir unsere Solidarität mit den vom Krieg gebeutelten
Menschen irgendwie zeigen.
Ich selbst hatte
ehrlich gesagt noch Zweifel: Sollen wir wirklich einfach so ins
Kriegsgebiet fahren? Was wollen wir denn bewirken? Ja, worin besteht
unsere Hilfe eigentlich, wenn wir zu Besuch kommen?
All diese Fragen
haben wir uns gestellt, als sich langsam die Gruppe mit Menschen aus
Frankfurt (Oder), Lieberose, Seelow, Fürstenwalde und Berlin
bildete. Kritisch haben wir uns auch befragt, ob wir unseren
Gastgebern nicht mehr Sorgen und Ärger machen, wenn wir kommen. Auf
keinen Fall sollte es zu einer übermäßigen Gefährdungslage
kommen.
Entscheidend
dafür, dass wir am Ende doch gefahren sind, war die wiederholte
Einladung: „Kommt uns besuchen!“
Das wurde auch
das innere Zentrum unserer Reise: Wir sind Menschen mit
unterschiedlichen Lebensrealitäten in verschiedenen Landesteilen
begegnet und mit ihnen ins Gespräch gekommen. Alle, mit denen wir
sprachen, waren unglaublich dankbar über unser Kommen und erzählten
sehr offen, was sie bewegt. Unsere gefühlte Solidarität wurde auf
diese Weise greifbarer.
Wir haben
gemerkt: einander besuchen ist ein wertvolles Zeichen der Nähe –
gerade in schwierigen Zeiten.
Bei uns in Deutschland herrscht kein
Krieg – aber auch hier können wir einander diese Zeit und
Aufmerksamkeit schenken!