Montag, 1. Juni 2026

Militärische Hilfe als Nächstenliebe - Disput um einen Radiobeitrag

Vor einigen Tagen durfte ich in den kirchlichen Verkündigungssendungen des rbb fünf Radiobeiträge veröffentlichen, die ich unserer Reise in die Ukraine gewidmet habe. 

Ein Beitrag hat starke Reaktionen provoziert, auf die ich wiederum eine Antwort geschrieben habe. Den Originalbeitrag (hier auch nachzuhören), eine Paraphrase der Kritik und meine Antwort stelle ich hier zur Verfügung:
 

Mittwoch, 27. Mai 2026

Kommt uns besuchen! Radiobeitrag zur Reise in die Ukraine

 Der folgende Beitrag wurde am 26.05.2026 als "Wort für den Tag" im rbb gesendet.

 

Im April bin ich mit einer kirchlichen Delegation aus dem Osten Brandenburgs in die Ukraine gefahren.
Die Reise hat eine längere Vorgeschichte: Am Anfang stand der Besuch des evangelischen Bischofs von Charkiw, Pavlo Shvarts, bei den Christlichen Begegnungstagen in Frankfurt (Oder) vor ziemlich genau zwei Jahren. Damals erzählte er uns von der schwierigen Situation der Menschen im Krieg.

Auf die Frage, wie wir hier in Brandenburg ihm und seiner kleinen Kirche helfen könnten, antwortete er: „Kommt uns besuchen.“ Zunächst hat das niemand wirklich ernst genommen. Doch bei weiteren Kontakten äußerte er genau diese Aussage immer wieder.

Nach diesem so furchtbaren Winter, als es durch die russischen Angriffe in manchen Landesteilen über Wochen weder Heizung noch Strom noch Wasser gab, ist die Idee eines Besuchs dann konkreter geworden. Gerade jetzt wollten wir unsere Solidarität mit den vom Krieg gebeutelten Menschen irgendwie zeigen.

Ich selbst hatte ehrlich gesagt noch Zweifel: Sollen wir wirklich einfach so ins Kriegsgebiet fahren? Was wollen wir denn bewirken? Ja, worin besteht unsere Hilfe eigentlich, wenn wir zu Besuch kommen?

All diese Fragen haben wir uns gestellt, als sich langsam die Gruppe mit Menschen aus Frankfurt (Oder), Lieberose, Seelow, Fürstenwalde und Berlin bildete. Kritisch haben wir uns auch befragt, ob wir unseren Gastgebern nicht mehr Sorgen und Ärger machen, wenn wir kommen. Auf keinen Fall sollte es zu einer übermäßigen Gefährdungslage kommen.

Entscheidend dafür, dass wir am Ende doch gefahren sind, war die wiederholte Einladung: „Kommt uns besuchen!“

Das wurde auch das innere Zentrum unserer Reise: Wir sind Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten in verschiedenen Landesteilen begegnet und mit ihnen ins Gespräch gekommen. Alle, mit denen wir sprachen, waren unglaublich dankbar über unser Kommen und erzählten sehr offen, was sie bewegt. Unsere gefühlte Solidarität wurde auf diese Weise greifbarer.

Wir haben gemerkt: einander besuchen ist ein wertvolles Zeichen der Nähe – gerade in schwierigen Zeiten. 
Bei uns in Deutschland herrscht kein Krieg – aber auch hier können wir einander diese Zeit und Aufmerksamkeit schenken!

 

Donnerstag, 16. April 2026

Vom Glauben im Krieg. Eindrücke einer ökumenischen Reise in die Ukraine

 In der Osterwoche machte sich eine Gruppe aus Ostbrandenburg auf den Weg nach Kyjiw und Odesa. Organisiert durch das Oekumenische Europa-Centrum Frankfurt (Oder) und den Evangelischen Kirchenkreis Oderland-Spree war die Reise unsere Antwort auf die Einladung des lutherischen Bischofs Pavlo Shvarts aus Charkiw, der 2024 bei den Christlichen Begegnungstagen zu Besuch in Frankfurt war. 
Mit unserem Besuch wollten wir unsere Verbundenheit und Solidarität auch durch persönliche Nähe und Begegnung ausdrücken. Darum standen die Besuche und das Kennenlernen der Menschen im Zentrum der Reise.

Mittwoch, 28. Januar 2026

Alles neu mit Freiheit, Trost und Lebendigkeit

Der folgende Text bildet die Grundlage für die Predigt im Rahmen des Hochschulgottesdienstes in Frankfurt (Oder). Basis ist die Jahreslosung für 2026: "Siehe, ich mache alles neu!", Textgrundlage ist der folgende Bibeltext:

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 
Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 
Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Off 21,5)

Ich liebe diesen Text sehr. Und das aus vielen Gründen: er hat einen sehr einprägsamen Rhythmus – und ich sah, und ich sah, und ich hörte, und er wird wohnen, und er sprach, … - außerdem ist es ein Text voller prägnanter Bilder – eine neue Erde, die neue Stadt aus dem Himmel, das Abwischen der Tränen, das lebendige Wasser...