Mittwoch, 27. Mai 2026

Kommt uns besuchen! Radiobeitrag zur Reise in die Ukraine

 Der folgende Beitrag wurde am 26.05.2026 als "Wort für den Tag" im rbb gesendet.

 

Im April bin ich mit einer kirchlichen Delegation aus dem Osten Brandenburgs in die Ukraine gefahren.
Die Reise hat eine längere Vorgeschichte: Am Anfang stand der Besuch des evangelischen Bischofs von Charkiw, Pavlo Shvarts, bei den Christlichen Begegnungstagen in Frankfurt (Oder) vor ziemlich genau zwei Jahren. Damals erzählte er uns von der schwierigen Situation der Menschen im Krieg.

Auf die Frage, wie wir hier in Brandenburg ihm und seiner kleinen Kirche helfen könnten, antwortete er: „Kommt uns besuchen.“ Zunächst hat das niemand wirklich ernst genommen. Doch bei weiteren Kontakten äußerte er genau diese Aussage immer wieder.

Nach diesem so furchtbaren Winter, als es durch die russischen Angriffe in manchen Landesteilen über Wochen weder Heizung noch Strom noch Wasser gab, ist die Idee eines Besuchs dann konkreter geworden. Gerade jetzt wollten wir unsere Solidarität mit den vom Krieg gebeutelten Menschen irgendwie zeigen.

Ich selbst hatte ehrlich gesagt noch Zweifel: Sollen wir wirklich einfach so ins Kriegsgebiet fahren? Was wollen wir denn bewirken? Ja, worin besteht unsere Hilfe eigentlich, wenn wir zu Besuch kommen?

All diese Fragen haben wir uns gestellt, als sich langsam die Gruppe mit Menschen aus Frankfurt (Oder), Lieberose, Seelow, Fürstenwalde und Berlin bildete. Kritisch haben wir uns auch befragt, ob wir unseren Gastgebern nicht mehr Sorgen und Ärger machen, wenn wir kommen. Auf keinen Fall sollte es zu einer übermäßigen Gefährdungslage kommen.

Entscheidend dafür, dass wir am Ende doch gefahren sind, war die wiederholte Einladung: „Kommt uns besuchen!“

Das wurde auch das innere Zentrum unserer Reise: Wir sind Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten in verschiedenen Landesteilen begegnet und mit ihnen ins Gespräch gekommen. Alle, mit denen wir sprachen, waren unglaublich dankbar über unser Kommen und erzählten sehr offen, was sie bewegt. Unsere gefühlte Solidarität wurde auf diese Weise greifbarer.

Wir haben gemerkt: einander besuchen ist ein wertvolles Zeichen der Nähe – gerade in schwierigen Zeiten. 
Bei uns in Deutschland herrscht kein Krieg – aber auch hier können wir einander diese Zeit und Aufmerksamkeit schenken!

 

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