Mittwoch, 18. Februar 2015

Sich selbst fasten - Über ein Gedicht von Andreas Knapp

Sich selbst fasten - so ließe sich das Gedicht auch überschreiben, das Andreas Knapp mit "Fasten"1 betitelt. Dabei geht es wiederum nicht in erster Linie um Fasten als Spaßbremse oder vornehmlich darum, die Fastenzeit als "Sieben Wochen ohne" irgendetwas zu leben, sondern um eine Neufokussierung. 

Das Thema des Gedichtes und der Fastenzeit lautet damit: Weg von der eigenen einsamen Enge hinein in die Weite Gottes! Mit Jesus von der Selbstbezogenheit zur Freigiebigkeit

 So sind die folgenden Zeilen eine wahre "Ver-dichtung" des existenziellen Kerns der Fastenzeit:

Fasten
Um wen dreht es sich? Mühle in Grieben, 2013.

dass du nicht da bist
das ist mein Fasten

die Abwesenheit des Bräutigams
das Scheitern der Pläne
das Vermissen Gottes
Fastenzeit des Herzens

jeder ist seiner selbst so voll
pathologisches Übergewicht des
Sichwichtignehmens
Selbstgesättigtheit der Seele
Gott aber kann sich uns nur schenken
im Maße unsres Hungers nach ihm

gib dem Ehrgeiz keine Nahrung mehr
bläh das Selbstbild nicht mehr auf
dann lockert die Allsucht den Giergriff
Abmagerung der Ichpotenz
und es wird Raum
für der Liebe Freilassung

mach dich also dünn
damit Weite wächst
in der dir alles zufällt
leicht wie ein Geschenk



Darum wünsche ich Euch Leserinnen und Lesern des Blogs in dieser Fastenzeit:

  1. Gott vermissen und hungrig werden nach Ihm!
  2. Sich selbst nicht so schwer nehmen!
  3. Im Weiterwerden mit Gott Ihn selbst als Geschenk entdecken!


1   In: A. Knapp, Brennender als Feuer. Geistliche Gedichte. 4. Aufl. Würzburg 2007, 25.