Mittwoch, 30. April 2014

Warum ich Jesus folgen will

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Zunächst ganz simpel: Weil ich überzeugt bin, dass er mich ruft.
Zu was genau, das lässt sich hoffentlich erkennen an einigen meiner Gaben, an meiner inneren Sehnsucht und an den Notwendigkeiten für Menschen solcher Gaben und solcher Sehnsucht heute.
Jesus hat damals in Galiläa Menschen berufen mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen von Gott, sehr unterschiedlichen Plänen für ihre Zukunft und sehr verschiedenen Begabungen. Zöllner, Fischer, Kämpfer waren darunter – und alle fanden einen Platz.
Alte und neue Bauwerke, Britzer Garten, Neukölln, Berlin, 2014.
Ähnlich lässt Ignatius von Loyola in seinen Geistlichen Übungen die Übenden erwägen, "wie der Herr der ganzen Welt so viele Personen, Apostel, Jünger usw. auswählt und sie über die ganze Welt hin sendet und sie seine heilige Lehre über alle Stände und Lebenslagen der Personen ausstreuen."1
Kurz gefasst: Weil ich glaube, dass er Verwendung für mich hat und dies auch nutzen will.

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Der zweite Schritt ist nun eher inhaltlich und begründet den ersten Punkt: Ich will Jesus folgen, weil ich glaube, dass er der Sohn Gottes ist. Das ist eine Glaubensentscheidung meinerseits, die verschieden, sinnvollerweise auch theologisch begründet werden kann. Das tue ich an dieser Stelle nicht ausführlich, aber wenn ich dies tatsächlich glaube, dann partizpiert dieser Jesus an der Stellung Gottes uns gegenüber. Das ist ein Anspruch von Absolutheit, der mich anzieht.
Nicht meine Launen oder irgendwelche Moden, sondern das Höchste erstrebbare Gut auf der Erde, Gott selbst ist es, dem ich dann folgen kann.
Der, vor dem allein ein halbwegs aufgeklärter Mensch noch die Knie beugen kann, weil er als dieser Sohn Gottes fleischgewordene Liebe zu uns ist, trotz allem, was in seinem Namen Schlimmes getan wurde. Denn "Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab" (Joh 3,16). Das glaubend will ich folgen.

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Dann, etwas stärker auf mich bezogen: Weil ich hoffe, ihm in seinen Fußspuren nahe zu sein und hoffe, so satt werden zu können.
Was heißt das? Wenn ich Jesus tatsächlich folge, ruft er mich heraus aus mir und meinen Gewohnheiten. Papst Franziskus beschreibt das so: "Das Evangelium lädt vor allem dazu ein, dem Gott zu antworten, der uns liebt und uns rettet – ihm zu antworten, indem man ihn in den anderen erkennt und aus sich selbst herausgeht, um das Wohl aller zu suchen."2 Je mehr ich aus mir heraustrete, desto mehr kann ich ihm nahe kommen – und auch mir selbst wieder neu.
Aus meiner Erfahrung sättigt seine Nähe die Seele – das gibt ein friedvolles und ruhiges Herz, das sich geliebt und getragen weiß und darum lieben kann. Besser kann ich es gar nicht beschreiben.

Gebäudeläufe, Charlottenburg, Berlin, 2014.
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Schließlich: Weil Jesus einer ist, den die Bibel als einen guten Freund und geistlichen Begleiter darstellt – der mich konfrontiert und beunruhigt, bei dem ich mich zugleich geschätzt weiß und als ich selbst wahrgenommen fühle. Einer, der mich herauslocken und fordern will und mir zu meiner eigenen Tiefe helfen kann. Der geduldig ist und zuhört und zugleich selber wichtige Impulse setzt. Nicht zuletzt einer, der mich lebendig macht durch sein Leben, das er nicht nur in Worten teilt, sondern durch sein Tun.
Im betenden Kontakt mit der Bibel ist das für mich erfahrbar.

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Aber: Jesus folgen zu wollen ist bei allem guten und vielleicht sogar starken Willen kein Selbstläufer. Bei Johannes Hartl habe ich neulich eine gute Beschreibung des Weges gefunden, den Jesus mit den Willigen geht. Er legt Jesus in den Mund: "Du hast mir dein Alles gegeben und ich nehme dich beim Wort, ich glaub dir das. Aber ich bin zu zärtlich, als dass ich dir jetzt sofort das ganze Ausmaß von all dem zeigen würde. Ich nehme dich durch dein Leben, Phase für Phase, Tür für Tür, Stufe für Stufe, durch kleine Erschütterungen, wo du erkennst: "Wow, da gibt's ja was, das ich dir noch nicht gegeben hab.""3

Fortsetzung folgt.



1   Ignatius v. Loyola, Geistliche Übungen und erläuternde Texte. Leipzig 1978, No. 145.
2   Papst Franziskus, Die Freude des Evangeliums. Das Apostolische Schreiben "Evangelii Gaudium" über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute. Freiburg i.Br. 2013, No. 39.
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   J. Hartl, Die Liebe, das Leid, die Herrlichkeit. Grünkraut 2013, 81.

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