Donnerstag, 29. April 2021

dankbar. Ein Stimmungsbild

Ich weiß, dass das in der jetzigen Zeit komisch klingen mag, aber ich bin gerade sehr dankbar.

Das hat auch damit zu tun, dass sich in meinem Leben aktuell eine Menge ändert: ein Umzug in eine andere Stadt steht an (Frankfurt an der Oder!), damit verbunden eine neue Arbeitsstelle (noch geheim).

Im Hintergrund stehen auch noch die Impfung, die jetzt demnächst kommt und die konkrete Hoffnung auf ein mittelfristiges Ende der einschneidendsten Corona-Probleme.

Himmel an Lampe an Oderturm.
Frankfurt/Oder, 2021.
Ich bin in Aufbruchsstimmung und merke, dass mir das gefehlt hat. So lang in der gleichen Gegend gelebt wie jetzt habe ich noch nie (neun Jahre). Das ist einerseits gut, denn ich kenne mich aus und sehe dauernd bekannte Gesichter auf der Straße. Aber andererseits habe ich in den letzten Jahren auch sehr an dieser Gegend von Neukölln gelitten – mit all dem Dreck und dem Müll, mit den herumrasenden Autos, der Rücksichtslosigkeit und Enge und den vielen Menschen.

Das alles wird nun bald ein Ende haben.

Klar, manche Sachen schleppen sich mit, und dieses nahende Ende bringt natürlich Stress mit sich.

Wenn ich sage, dass ich dankbar bin, dann meine ich also nicht, dass ich ruhig und entspannt bin.

Ich bin auch nicht zufrieden, denn es gibt genügend Dinge, im Großen wie im Kleinen, die mich nerven, eine Hausverwaltung, die nur mit dem gekippten Mietendeckelgesetz beschäftigt ist, gehört dazu.

Schon gar nicht bin ich glücklich, denn da ist zu viel Unglück, das ich wahrnehme, in der Arbeit im Gefängnis ebenso wie in der aktuellen Weltsituation – Klima, Corona, Kirchenkrise.


Aber trotzdem bin ich dankbar.

Neue Wohnung – hat sich gefunden. Schule fürs groß Kind – hat sich geklärt. Kita für die Kleine – kein Problem. Leisten können wir uns den Umzug auch. Die neue Arbeit verspricht spannend zu werden. Die Dinge klären sich. Alles nicht der ganz große Wurf, aber ausreichend.

Vielleicht gehört dazu bei allem, was sich mehr oder weniger problemlos fügt, auch eine gewisse Bedürfnislosigkeit, die mich an den meisten Maßnahmen der Corona-Krise nicht leiden lässt. Ich lese viel, schaue zu Hause Filmklassiker, telefoniere, treffe Freunde und Bekannte auf den Spielplätzen der Gegend.

Wie gesagt, vergesse ich die Leiden dieser Zeit dabei nicht und manche Dinge ärgern mich, manche auch massiv. Aber ich rücke den Ärger nicht in meinen Fokus, sondern konzentriere mich auf das Gute. Ich gehe zu vielen Problemen innerlich auf Distanz. Zugegeben, das muss man sich leisten können.

Aber so spüre ich Dank in mir wachsen,nicht Verbitterung.

Dank für ein Gesundheitssystem, das funktioniert.

Dank für eine Arbeit, die mich erfüllt.

Dank für meine Gesundheit.

Dank für kluge Forscher, die Impfstoffe entwickeln und weiterentwickeln.

Dank für eine intakte Familie.

Dank für die Musik.

Dank für mein Leben.


Hoffentlich klingt euch das alles nicht zu banal oder weltabgewandt, aber ich hoffe, ihr könnt euch einen solchen Fokus aufbauen - gerade in dieser Zeit!

Keimende Eicheln.
Plänterwald, Berlin, 2021.


Kommentare:

  1. Ein gutes Ankommen und alles Gute für den Neustart.

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  2. Alles Gute und ich werde bestimmt nicht der einzige sein, der Dich hier in Neukölln vermisst.

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