Samstag, 6. Februar 2021

Was Jesus will und was die Leute wollen. Und was alles Zeichen von Gottes Herrschaft ist. Predigt zu Mk 1, 29–39

In den Nachrichten ist das Thema gerade ganz groß: Die Impfdosen sind knapp und begehrt – wer an der Reihe ist und es einrichten kann, besorgt sich einen Termin. In manchen Altenheimen waren Impfdosen übrig, die man nicht wegschmeißen wollte – dann hat man möglichst rasch noch Impfwillige gesucht. So kann es passieren, dass Leute geimpft werden, die eigentlich noch gar nicht an der Reihe sind. Oft sind das komischerweise örtliche Bürgermeister und Krankenhaus-Geschäftsführer, die noch sehr lange hätten warten müssen und nun doch schnell dran sind.

Andererseits hört man immer wieder, dass es so schwierig ist, überhaupt einen Termin zu bekommen, Hotlines sind übervoll und bei begrenzten Impfstoffmengen sind auch Termine Mangelware. Vor Impfzentren stauen sich die Menschen.

Manche dieser Nachrichten erinnern mich an den "busy man", von dem wir gerade (Mk 1,29-39) gehört haben – alle Leute kommen zu Jesus. Denn er hat anscheinend das, was alle wollen.

Himmel voll - und doch frei.
Neukölln, 2020.
Er macht gesund, er befreit von bösen Geistern im Kopf, er richtet Menschen auf und er erzählt von Gottes Reich.

Wenn man auf diesen Überblick schaut, kann man leicht vergessen, warum Jesus das getan hat. Oder anders gesagt: Was wollte Jesus überhaupt?

Heilen – Dämonen austreiben – predigen?

All das wird von ihm berichtet – aber was wollte er selbst?

Klar, irgendwie wollte er all das tatsächlich tun, sonst hätte er es ja auch lassen können – aber in all dem zeigt sich noch mehr!

Jesus wollte doch nicht nur ein Exorzist sein. Nicht nur ein Wunderheiler. Nicht nur irgendein Prediger.

Nein, hinter all dem steht noch mehr: Jesu Ziel war, dass sich Gottes Herrschaft durchsetzt.

Er tat das alles für dieses Ziel.


Doch was wollten all die Leute von Jesus?

Wenn man dem Evangelium glauben kann – und ich glaube, hier ist es sehr glaubwürdig – kamen sie nicht (nur) deswegen zu ihm, um etwas Frommes zu hören.

Sie kamen wohl vor allem, weil sie etwas wollten. Und er hat ihnen anscheinend meistens gegeben, was sie wollten.


Nebenbei: Für mich als Seelsorger ist das unheimlich entspannend. Denn die meisten von Ihnen, so habe ich den Eindruck, kommen nicht, um von mir etwas über Gott und sein Wirken in uns zu hören. Manchmal wollen Sie nur mit jemand vertraulich sprechen. Manchmal brauchen Sie Tabak. Menschmal plaudern wir einfach nur.

Vielleicht kommen Sie zu mir nicht in solchen Massen wie zum Impfzentrum oder zu Jesus, aber Sie kommen.

Und ich glaube, auch so kann Gottes Herrschaft sich zeigen: Durch gute Gespräche, durch aufmunternde Worte, durch Interesse aneinander...


Jesus hatte Ähnliches – und natürlich Besseres – im Angebot:

Menschen heil machen, sie von ihren Dämonen befreien, sie aufrichten und ihnen ein gutes Wort sagen – all das tat er, damit Gottes Herrschaft auf der Welt immer mächtiger wird.

Denn all das – jetzt kommts – sind Zeichen von Gottes Herrschaft.

Nicht nur jenseitig, auch diesseitig.
Straße in Groß Köris, 2017.
Vielleicht muss man das noch näher erläutern: Wer die Evangelien aufmerksam liest, wird feststellen, dass Jesus sehr häufig vom "Himmelreich" oder vom "Reich Gottes" spricht. Auch in vielen Gleichnissen will er anschaulich machen, was Reich Gottes meint. Damit meint er nicht irgendeinen Himmel nach dem Tod – sondern das Wirklichwerden von Gottes Macht und Gottes Liebe schon jetzt und hier. [Analog dazu die Thematik vom Ewigen Leben]


So können wir uns umschauen:

Ob wir Gottes Herrschaft, seine Liebe, seine Macht, seine Gegenwart unter uns erkennen. Wo jemand aufgerichtet wird. Wo jemand ohne Hintergedanken liebt. Wo einer gibt, ohne dafür etwas zu bekommen. Wo vergeben wird. Wo Menschen sich von ihrer Schuld abwenden. Wo einer vertraut, dass da noch mehr ist als die Enge dieser Welt. Wo Heilung geschieht. ...


Und Gottes Herrschaft ist eine Aufgabe für uns: heute können wir alle daran mitbauen, dass Gottes Herrschaft sich ausbreitet – in Wohlwollen und Respekt, in guten Worten für- und übereinander, in Verständnis und Nachsicht für die Schwächen unserer Nächsten.


Die Evangelienlesung gibt dafür zwei wunderbare Hinweise:

So wie Jesus die Schwiegermutter des Petrus (ja, er war verheiratet!) berührte und aufrichtete (v31), ist es heute an uns, einander aufzurichten.

Und wie Jesus immer mal wieder eine Auszeit mit Gott brauchte (v35), sind auch wir eingeladen, uns in die Stille zu Gott zurückzuziehen.


So wächst Gottes Herrschaft in dieser Welt.

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