Mittwoch, 12. Februar 2020

Meine fünf schönsten Sätze aus "Querida Amazonia"

Schon schlagen die Wellen wieder hoch, was der Papst in seinem neuen Schreiben alles verhindert und verbietet. Keine Weihe für Verheiratete, keine Weihe für Frauen...
Auch ich kann nicht mit jeder Argumentationskette etwas anfangen und nicht jeder Akzent in diesem Dokument gefällt mir.
Aber ich habe es in Kürze einfach mal nach fünf schönen Sätzen durchsucht, die (ja, das ist nicht textgerecht und elende Rosinenklauberei...) auch für sich stehend eine gute Figur machen, ganz abgesehen von allem, was kirchenpolitisch noch dahinter steht oder stehen könnte.
Zitiert wird nach dem Wortlaut von Vatican News.

Kleiner Polnischer Beitrag zur Weltkirche.
Polen, 2019.
"Alles, was die Kirche anzubieten hat, muss an jedem Ort der Welt auf eigene Art Fleisch und Blut annehmen, in einer Weise, dass die Braut Christi vielfältige Gesichter erhält, die den unerschöpflichen Reichtum der Gnade besser ausdrücken." (6)

Vielfalt ist ein sich immer wiederholender Aspekt in diesem Dokument. Trotz des blumigen Satzes wird in diesem Satz klar, worum es dem Papst geht: Kirche ist überall berechtigterweise anders. Das ist eine Sicht, die sich langsam, aber immer tiefer durchsetzen muss, wenn Kirche überleben will.


"Das Evangelium bietet uns die göttliche Liebe an, die aus dem Herzen Christi hervorströmt und ein Streben nach Gerechtigkeit bewirkt, die zugleich ein Loblied auf die Brüderlichkeit und Solidarität, eine Anregung zur Begegnungskultur ist." (22)

Wozu ist das Christentum da? Neben all den anderen Dingen: Mich beeindruckt am meisten die Haltung der Begegnung mit Anderen. Aus der christlichen Religiosität heraus kann (und sollte) eine Haltung entstehen, in der es um Begegnung geht. Das ist keine Kolonisierung, keine Vereinnahmung, keine Indoktrinierung, sondern das Aufeinander-zu-Gehen und Sich-Begegnen. Kurz: die Haltung Gottes, die uns prägen soll. Das ist unsere Mission.


"Es ist möglich, sich in irgendeiner Weise auf ein indigenes Symbol zu beziehen, ohne dass man es notwendigerweise als Götzendienst betrachten müsste. Ein Mythos von spirituellem Sinngehalt kann aufgegriffen und muss nicht immer als heidnischer Irrtum angesehen werden." (79)

Diese Aussage birgt in sich eine ungeheure Offenheit, die traditionalistische KatholikInnen immer wieder zur Verzweiflung treibt. Dabei ist es genau die Art, wie viele Missionare schon vor Jahrhunderten die Zeichen und Bräuche der indigenen Kulturen aufgenommen, wertgeschätzt und in neuem Licht angeschaut haben.


"In Amazonien gibt es Gemeinschaften, die lange Zeit hindurch sich gehalten und den Glauben weitergegeben haben, ohne dass dort – manchmal jahrzehntelang – ein Priester vorbeigekommen wäre. Dies ist der Präsenz von starken und engagierten Frauen zu verdanken, die, gewiss berufen und angetrieben vom Heiligen Geist, tauften, Katechesen hielten, den Menschen das Beten beibrachten und missionarisch wirkten." (99)

Auch wenn aus dieser Aussage nicht die vielerorts erwünschten Änderungen folgen, ist es gut, dass der Papst einfach benennt wie es ist: Die katholische Kirche ist vielerorts eine Frauenkirche. Und Frauen tun vieles von dem, was andernorts als priesterliche Aufgabe von den Laien weggeschoben wird. Aber: sie können es und tun es.


"Wenn einer glaubt, dass der Heilige Geist in denen, die anders sind, wirken kann, dann wird er versuchen, sich von diesem Licht bereichern zu lassen, aber er wird es aus dem Innersten seiner eigenen Überzeugungen und seiner eigenen Identität heraus aufnehmen." (106)

Voneinander lernen und sich vom Fremden bereichern lassen erfordert eine innere Größe, die wir als Christen immer wieder lernen müssen. Gottes Geist wirkt auch dort, wo ich es gar nicht für möglich halte – das ist eine Haltung, die sich alle in der Kirche, Konservative wie Liberale, immer wieder zueigen machen können.

Bunter Urwald.
Tümpel bei Eberswalde, 2017.


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