Donnerstag, 9. April 2015

Die Wunden zeigen - "Das verschwundene Museum" im Bode-Museum

Zerstörtes Gesicht. Bode-Museum, Berlin, 2015.
Krieg tangiert immer auch die Kunst. Die Zerstörungen von jahrtausendealten Kulturgütern durch die IS-Terroristen im Nahen Osten zeigen dies ebenso wie die Streitigkeiten um mögliche Restituierungen bei der Sammlung Gurlitt und in staatlichen Sammlungen. Im letzten Jahr zogen zudem die "Monuments Men" von George Clooney durch die Kinos und versuchten, Kunstwerke vor dem Krieg und den Nazis zu retten.
Im Berliner Bode-Museum wird seit einigen Tagen in einer beeindruckenden Ausstellung gezeigt, welche Verluste der von deutschem Boden ausgehende Krieg den Berliner Skulpturen- und Gemäldesammlungen zugefügt hat.

Viele Ereignisse haben ihre Spuren hinterlassen. 
Zwei Brände im Flakbunker Friedrichshain im Mai 1945, wohin eine Reihe von Werken ausgelagert wurden und Diebstähle in den chaotischen Tagen um das Kriegsende lassen manchen Verbleib im Dunkeln. 

Das Kreuz ist leer. Mannheimer Altar von Paul Egell.
Bode-Museum, Berlin, 2015.
Die Siegermächte aus den USA, die bedeutende Stücke mitnahmen, zu Haus ausstellten und erst spät auf gesellschaftlichen Druck hin zurück überstellten, die "Äquivalenz-Sucher" aus der Sowjetunion, die ihre Kunst-Beute als Ersatz für die deutschen Kriegsgräuel verstanden und sie in der Eremitage ausstellten, noch immer hat nicht alles seinen Weg zurück gefunden. 
Bekannteste Namen sind unter den Verlusten: Tintoretto, Boticelli, Caravaggio, Van Dyck, Donatello, Rubens und viele mehr.
Donatellos farblose Madonna mit vier Cherubim.
Bode-Museum, Berlin, 2015.


Nun zeigt das Bode-Museum seine Wunden.
In der Sonderausstellung finden sich eine Reihe von Gipsabgüssen, die den Krieg überlebt haben, angeschossene oder zertrümmerte Original-Skulpturen, in der Sowjetunion zusammengepuzzelte Fragmente halbzerstörter Fresken, Schwarz-Weiß-Fotografien in der originalen Größe der zerstörten oder entwendeten Gemälde, ein halber Hochaltar, durch die Feuer versehrte Mariendarstellungen und so fort.

Es entsteht ein nahegehendes und zugleich informatives Panorama von Überleben und Heimkehr, von Tod und Auferstehung, von vorher und nachher.
Auffällig ist, dass teilweise gerade jene Stücke den Krieg überlebten, die nicht als besonders schützenswert angesehen und demgemäß gelagert wurden und gerade deshalb noch existieren. Und die sich anschließenden Fragen: Was sollte in welcher Weise restauriert werden? Müssen die Wunden des Krieges beseitigt werden um des Originales willen, das es doch nicht mehr gibt? Sollen die Greuel heute noch sichtbar bleiben?
Ich bin froh, dass es diese Ausstellung mit diesen Fragen gibt und dass gezeigt wird, was verschwunden ist, was überlebt hat und was auf neue Weise lebt!
Eine heiße Empfehlung an jene, die nicht in erster Linie auf berühmte Originale aus sind und sich für das friedvolle Weiterleben dieser Sammlungen interessieren.

Foto-Abbildungen und Gipsabguss. Bode-Museum, Berlin, 2015.

Einschuss. Bode-Museum, Berlin, 2015.

Modell Modell. Bode-Museum, Berlin, 2015.

Marken der Forschung. Bode-Museum, Berlin, 2015.

Verschwundene Kunst. Bode-Museum, Berlin, 2015.