Samstag, 2. März 2019

Faule Früchtchen, Bratenfett und gefüllte Herzen. Eine Büttenpredigt

Drei Sachen möcht‘ ich sagen heut‘
zu diesen Bibelsprüchen.
Denn ihr sitzt hier, ihr lieben Leut'
und könnt mir nicht entwischen.

Ihr merkt schon, ich will reimen,
denn es ist Faschingszeit.
Kein Knackie soll jetzt weinen:
Ich hoff‘, es macht euch Freud‘.


Eins (vgl. Lk 6,41-42)
Ein Splitter und ein Balken,
die treffen sich im Hof.
Sie sagen zueinander:
Mein Gott, was bist du doof.

Balken in der Landschaft.
Hiddensee, 2017.
Für besser hält der Splitter sich,
auch wenn er selbst nix sieht.
Der Andre ist so fürchterlich,
dass man von dannen zieht.

Wer will nicht gern die Fehler alle
des Gegenübers zählen.
Doch dürfen ja in diesem Falle
nicht eigne Fehler fehlen.

Auch die Kirche prangert an
Gewalt an allen Orten.
Sie selbst jedoch ist besser nicht
in Taten und in Worten.

Gern kannst du also sanft und nett
dem Nachbarn Hinweis geben
auf den Gestank von Bratenfett
und dass die Haare kleben.

Doch sag im gleichen Satze auch ein Ding
von deinen eignen Macken.
Denn Selbstkritik macht dich zum King,
Da fehlt der Kron‘ kein Zacken.

Wenn du noch nicht ganz heilig bist
so schau auf dich, bevor du schreist.
Weißt selbst, auch du machst Mist,
nicht besseren zumeist.


Zwei (vgl. Lk 6,43-44)
Ein weitres Wörtchen gibt Herr Jesus uns
noch mit auf unsern Wegen.
Ich glaub, hier wär' es keine Kunst
sich mit euch anzulegen.

Denn Jesus sagt von jedermann,
der schlechte Dinge tut,
dass der doch gar nicht anders kann,
ihm fehlt mehr als nur der Mut.

Vielmehr ist seine Wurzel schlecht
und nicht nur sein Bemühen.
Aus einem Walfisch kommt kein Hecht
und auch kein Hund aus Kühen.

Da frag ich mich doch im Gefängnis,
ist jeder hier so gänzlich übel?
Gar mancher steckt doch in Bedrängnis,
kann mehr sein als nur Rüpel.

Gibts wirklich, wie in Jesu Sätzen,
nur Schwarz und Weiß und nichts dazwischen?
Das würde jeden sehr verletzen,
in dem sich beide Sachen mischen.

Wer einmal fehltritt, der kommt weg
und hat nun keine Chance mehr?
Die Frucht, die einmal lag im Dreck,
fliegt raus, doch ist das wirklich fair?
Alte Äpfel.
Niedergrunstedt, 2017.

Die ganze Müh', sich aufzurichten,
ein neues Leben anzufangen,
wär' hin und vollkommen zunichten
nur Zittern wär's und Bangen.

Klar gibt es auch faule Trauben
und manche kahle Zweige.
Doch bitte ich euch, mir zu glauben
dass ich euch auch noch volle zeige.

Oft genug häng'n gleich daneben
doch noch zwei gute Früchte.
Gott wird uns schon nicht gleich aufgeben,
alles andre sind Gerüchte.

Macht Gott deshalb nicht solche Schmerzen
und nicht nur blöde Faxen.
Ich bitte euch von ganzem Herzen:
Lasst die guten Früchte wachsen!


Drei (vgl. Lk 6,45)
Was Jesus sagt, das hat Gewicht,
doch wie soll man es fassen?
Zu oft wolln wir das Gute nicht,
zu oft das Böse auch nicht lassen.

Distel, Feige, Birne, Traube,
was du auch bist auf Erden,
verzage nur nicht, sondern glaube,
auch aus dir soll etwas werden.

Denk drüber nach, vergiss es nie:
Gott winkt und ruft und sucht nach dir.
Denn das ist seine Strategie:
Dein Herz, das füllt er selber hier.

Wovon dein Herze voll ist,
darüber spricht dein Mund,
wenn du von Gott dich lieben ließt,
dann tust du Liebe kund.

Dann kommt von selbst das Gute raus
aus dir und lässt dich leben.
Doch dieser Weg ist lang, o Graus,
zu oft bleiben wir kleben.

Drum lasst uns lobend singen nun,
ihr Männer hinter Gittern.
Dann wolln wir uns was Gutes tun
mit Lust und ohne Zittern.