Samstag, 6. März 2021

Schmeiß raus, was dich kaputt macht. Kommentar zum Evangelium am 3. Fastensonntag

Gott will uns in der Fastenzeit herausfordern – gut ablesen kann man das am Evangelium: Jesus taucht auf als ein Zerstörer. Er vertreibt die zum Verkauf stehenden Tiere aus dem Tempel und kippt das Geld auf den Boden.

Jesus schmeißt all das aus dem Tempel, was die Menschen ablenkt vom Eigentlichen. Nicht die Opfertiere und nicht die genau berechneten Geldgaben sind entscheidend für die Gottesbeziehung.

Für die Fastenzeit gesprochen: Sie bietet die Chance, Jesus Raum zu geben, damit er all das rausschmeißt, was uns hindert, Gott wieder näher zu kommen.

Alter Tempel.
Fernsehturm, Eingangsbereich, Berlin, 2019.
In Abwandlung des alten Lied von "Ton Steine Scherben": Schmeiß raus, was dich kaputt macht.

Auch unser Verzicht auf Süßigkeiten und Alkohol, unsere Spende für Misereor oder unser Versuch, den Medienkonsum zu reduzieren sind NICHT das Eigentliche. Bei Jesu Kampf geht darum, dass Mensch und Gott wieder in eine heilvolle Beziehung kommen.

All unsere Fastenvorsätze können gute Schritte sein auf diesem Weg auf eine heilvollere, österliche Beziehung hin. Aber es kann auch sein, dass wir sogar all das noch rausschmeißen müssen, um Gott wieder näher zu kommen.

Denn manchmal verselbständigen sich diese Vorsätze auch und stellen sich zwischen uns und die Liebe Gottes.

Dann führen sie nicht zu Gott, sondern genau in die entgegengesetzte Richtung: Mein Wunsch, meine Ernährung unter Kontrolle zu bekommen und damit beim Arzt und bei der Yoga-Lehrerin und nebenbei auch noch beim lieben Gott auf der richtigen Seite zu stehen. Meine Härte, die ich mir gegen mich selbst beweisen will, wenn ich es schaffe, auf den Wein zu verzichten. Oder meine Verhandlung mit Gott, den ich vielleicht bestechen möchte, damit er mir für meinen Verzicht wohlgesonnen ist.

Wenn mich der Wunsch nach Kontrolle oder der Versuch, Gott zu bestechen, oder übertriebene Härte oder der Zwang, anderen etwas zu beweisen so sehr besetzen, dass sie zwischen mir und der Liebe Gottes stehen – dann muss ich mich fragen, wie meine Gottesbeziehung wieder ins Lot kommen kann.

Oder anders gesagt: Dann sollte ich Jesus mal ausmisten lassen. Lasse ich Jesus die Chance, aus meinem Leben das hinauszufegen, was meine Gottesbeziehung behindert? Genau das ist es ja, was die Leute Jesus fragen: Darfst du das überhaupt? (vgl. v18)

Für mich kann nur ich selbst diese Frage beantworten: Darf Jesus in meinen Tempel kommen? Darf er ausmisten in meinen manchmal zugemüllten Glaubensversuchslaboren, in denen ich bisweilen steckenbleibe auf dem Weg zu Gott?

Und wenn ich es ihm erlauben würde: Was müsste er dort tun?

Oder ganz konkret: Wo musst du, Jesus, bei mir ausmisten?

Endlich draußen.
Berlin-Mitte, 2019.

 

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