Montag, 17. März 2014

Fastenzeit - Umkehr zur Freude

Die Vorstellungen von der Fastenzeit sind für viele Christen traditionell mit einer Art Grusel belegt – es wird verzichtet und Buße getan, gebeichtet und umgekehrt.
Gewässer mit Kalendermarkern, Britzer Garten, Neukölln, Berlin, 2014.
Neuerdings ist Fasten aber auch heilsam und entschlackend, gesund ist es sowieso und die Kinder lernen in Comics afrikanische Altersgenossen kennen, denen sie durch ihre Spende Schulbildung und einen Brunnen ermöglichen.

Beide Perspektiven aber bleiben an der Oberfläche. Die erste hat viel biblisches Material auf ihrer Seite, wie die täglichen Lesungen in den katholischen Gottesdiensten zeigen. Die zweite hat mehr Lebensnähe und einen frohgemuteren Blick auf das Ganze für sich.

In der Tiefe geht es um beides – aber in einem anderen Licht. Umkehr und Freude sind Wege zu Gott. Sie sind es aber als Bestandteile einer Lebensveränderung. Denn das meint Fastenzeit wohl zuerst – Kraft und Mut fassen für eine Beziehung, die das Leben aus den Fugen bringen kann.

Dazu zählt sicher die Bestandsaufnahme, die genau und liebevoll das eigene Leben in den Blick nimmt. Eine Art Bilanzspiritualität1 kann helfen, das eigene behutsam Leben zu ordnen und mit Sympathie die richtigen "Stellschrauben" zu finden.

Erleichtert wird dieser Blick auf das eigene Leben dadurch, sich der Liebe Gottes radikal auszusetzen. Er will schließlich nicht irgendeine gute Tat oder einen Verzicht, er will uns als Menschen, die ihm ihr Herz schenken. Das ist sicher die Leistung eines ganzen Lebens; sie kann aber möglich werden, wenn sie grundiert ist durch das Erfasstsein von der liebevollen Hingabe, die er selber vorgelebt hat und lebt.

Himmel über der Königsheide,
Johannisthal, Berlin, 2014.

Zur Lebensveränderung zählt auch der Mut zur Versöhnung – natürlich mit sich selbst, mit den Nächsten, mit Gott. Aber auch: mit den Umständen und mit der eigenen Biographie, mit der Herkunft, mit all dem im eigenen Leben Zerbrochenen. Versöhnung wird vielleicht die Narben nicht verdecken – aber es werden Narben sein und keine schwelenden Wunden.

Im Bilanzieren, im Lieben, in der Versöhnung, in allem will Fastenzeit das sein: lebensfördernd. Und zwar nicht Förderung irgendeines Lebens, sondern unseres Lebens. Schließlich ist es ein von Gott gegebenes, gehaltenes und geheiltes Leben, ein Leben, das am Leben Gottes mitlebt.

Denn das heißt wirklich aus den Fugen sein, wenn wir in der Fastenzeit begreifen, dass die Beziehung, die wir zu Gott aufnehmen wollen, zu der wir uns immer wieder aufraffen (müssen), dass diese Beziehung eigentlich seine Beziehung zu uns ist.
Das ist die Umkehr und die Quelle der Freude.



1   Den Begriff verdanke ich Hermann Breulmann SJ, bei dem ich dies einmal als eine der aufgezeigten Möglichkeiten während einer kirchlichen Ehevorbereitung hörte.

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