Montag, 13. November 2017

"Für mich ist Jesus Christus alles." Pedro Arrupe zum Geburtstag

Am 14.11.1907 wurde Pedro Arrupe, späterer Generaloberer der Gesellschaft Jesu, in Bilbao geboren. Wäre er nicht am 05.02.1991 gestorben, würde er heute seinen 110. Geburtstag feiern.

Pedro Arrupe war sicher eine der wichtigsten kirchlichen Personen des 20. Jahrhunderts.

  •  Er überlebte 1945 den Atombombenabwurf in Hiroshima und kümmerte sich in der Folgezeit um die Leidenden – eine Zeit, die ihn besonders geistlich sehr prägte. Seine leitende Tätigkeit in Japan machte ihn zu einem besonderen Vermittler zwischen Ost und West. - "Unser Haus war eines der wenigen, die stehenblieben, auch wenn es stark beschädigt war. .... [Es] wurde zu einem Spital. Wir quartierten etwa 200 Verwundete ein, um ihnen zu helfen und sie zu pflegen.
    Arrupe on board. Berlin, 2017.
    ... Natürlich war die Umgebung nicht gerade ideal, um eine Messe andächtig zu feiern. Die Kapelle war halb zerstört und voll von Verwundeten. Sie lagen am Boden, einer neben dem anderen, und litten sichtbar. Ich begann die Messe, so gut ich konnte, mitten in dieser Menge, die keine Ahnung hatte, was da auf dem Altar geschah. ... Alle schauten mit angsterfüllten Augen auf mich, voller Verzweiflung, und doch so, wie wenn ihnen von diesem Altar aus Trost zukommen würde."1

  • In den 1970er Jahren führte er die Jesuiten auf die neuen Wege, auf die sich die Kirche mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil begab. Besonders der Kampf um den Glauben, zu dem unweigerlich der Kampf um Gerechtigkeit gehört, hatte enormen Einfluss und wurde in Orden und Kirche heftig diskutiert. - "Das Evangelium ist eine Botschaft der Liebe. Aber Liebe verlangt Gerechtigkeit. Das Evangelium ist daher auch eine Botschaft der Gerechtigkeit; es ist die Frohe Botschaft für die Armen. Und wir dürfen sie nicht nur predigen, indem wir sie lehren, sondern indem wir Zeugnis davon abgeben."2

  • An seinem Geburtstag im Jahre 1980 gründete Arrupe den Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) als Reaktion auf die anhaltende Zahl der Bootsflüchtlinge aus Vietnam. Das war eine sichtbare Konsequenz aus dem Diktum vom Glauben, der Gerechtigkeit sucht. Bis heute arbeitet der JRS weltweit für Flüchtlinge und mit Flüchtlingen. 
     
  • Am 07.08.1981 erlitt Pedro Arrupe einen Schlaganfall, der ihn unfähig zur Leitung seines Ordens machte. Anschließend ernannte Johannes Paul II. gegen den Willen Arrupes einen komissarischen Oberen für die Leitung – Ausdruck großen Misstrauens gegenüber den Jesuiten. Arrupe aber nahm diese Maßregelung gehorsam hin und lebte sie mit Gott. - „Mehr denn je befinde ich mich jetzt in Gottes Hand. Das habe ich mir mein ganzes Leben lang von Jugend auf gewünscht. Nun gibt es allerdings einen Unterschied: heute liegt die Initiative ganz bei Gott. Mich so völlig in seinen Händen zu wissen und zu fühlen, ist wahrhaft eine tiefe geistliche Erfahrung.“3

  • Schließlich hinterließ er bleibenden Einfluss auf den jetzigen Papst Franziskus, seinen Ordensbruder, der heute in vielem, sowohl was seine tiefe Frömmigkeit als auch das Verhältnis von Kirche und Welt und die Frage nach der Gerechtigkeit angeht, an Arrupe erinnert.4 - Papst Franziskus sagte 2013 im Interview: "Was mir zur Zeit von Pater Pedro Arrupe Sicherheit gab, war die Tatsache, dass er ein Mann des Gebetes war, ein Mann, der viel Zeit im Gebet verbrachte. Ich erinnere mich, wie er nach Art der Japaner am Boden sitzend lange Zeit im Gebet verbrachte. Dadurch hatte er die richtige Haltung und traf die richtigen Entscheidungen."5

Kreuz auf Grund. Hiddensee, 2017.
Was ich neben all dem persönlich sehr beeindruckend finde, ist seine tiefe Christusfrömmigkeit. Auf die Frage eines Journalisten, was Jesus Christus für ihn bedeutet, antwortete er: "Für mich ist Jesus Christus alles."
Und erläutert: "Nur so kann ich ausdrücken, was Jesus Christus in meinem Leben bedeutet: alles. Er war und ist mein Ideal seit meinem Eintritt in die Gesellschaft Jesu, er war und bleibt mein Weg, er war und ist immer noch meine Stärke. Ich denke, es ist nicht nötig, viel zu erklären, was das heißt. Nehmen Sie Christus aus meinem Leben, und alles wird zusammenstürzen, wie ein Körper, dem man das Skelett, den Kopf und das Herz wegnimmt."

Ich habe diese Sätze auf einer Karte auf meinem Schreibtisch stehen. Als Erinnerung, denn ich selber kann das nicht von mir sagen. Da ist viel Platz nach oben.
Aber es ist diese Blickrichtung, die ich einnehmen möchte und die uns als Christen erst glaubwürdig machen – ganz auf Jesus Christus bezogen zu leben und in seinem Sinne für die Menschen in ihren vielfältigen Nöten eintreten.


1   P. Arrupe, Unser Zeugnis muss glaubwürdig sein. Ein Jesuit zu den Problemen von Kirche und Welt am Ende des 20. Jahrhunderts. Ostfildern 1981, 130.
2   Ebd., 37.
3   Zit. n. E. Garhammer, Und er bewegt sie doch. Wie Papst Franziskus Kirche und Welt verändert. In: http://www.vivat.de/shop/media/pdf/143589/143589.pdf, S. 24.
4   Vgl. ebd., 21ff.