Montag, 2. März 2020

Bibel-Mini 1 - Hanna betet

In dieser Fastenzeit möchte ich ein paar biblische Exkursionen machen und die sich dabei (hoffentlich / wahrscheinlich / sicher) ergebenden Entdeckungen hier mit kurzen Beiträgen reflektieren.
Weil ich sonst sehr viel in den Evangelien unterwegs bin, wird es schwerpunktmäßig um das Alte Testament gehen.

Heute also Hanna aus dem Ersten Buch Samuel. Wie so viele Frauen der Bibel hat sie ein Problem damit, dass sie keine Kinder, besonders keinen Sohn bekommt. In ihrer Verzweiflung geht sie in den Tempel in Schilo und betet.

Fließendes Wasser im Sonnenschein. Arno, Florenz, 2020.
Der Priester Eli saß an den Türpfosten des Tempels des Herrn auf seinem Stuhl. Hanna war verzweifelt, betete zum Herrn und weinte sehr. ... Eli beobachtete ihren Mund; denn Hanna redete nur still vor sich hin, ihre Lippen bewegten sich, doch ihre Stimme war nicht zu hören. Eli hielt sie deshalb für betrunken und sagte zu ihr: Wie lange willst du dich noch wie eine Betrunkene aufführen? Sieh zu, dass du deinen Weinrausch los wirst!“ (1Sam 1,9b-10.12b-14)

Was geschieht hier? Der hauptamtliche Geistliche sagt einer Frau, dass ihr Gebet falsch ist. Er selbst sitzt herum, von einem Gebet seinerseits wird nicht ausgesagt, vielmehr scheint seine Aufmerksamkeit bei ihr zu sein, seine Wertung ist sehr rasch und klar.

Ich will das Ganze nicht als eine typische Szene hinstellen.
Aber als Seelsorger (hauptamtlich, bezahlt, relativ frei in der Ausübung meiner Pflichten) komme ich bei der Lektüre nicht darüber hinweg, dass sich hier einer (in einer ähnlichen Situation wie ich), der meint, es besser zu wissen, an der Weise des Betens einer Anderen stört und sehr schnell urteilt.
In meinen Begegnungen bin auch ich schnell dabei zu urteilen, ob da einer vor mir sitzt, der es spirituell ernst meint - oder der mir/sich etwas vormacht.

Eli lässt sich anschließend überzeugen, dass es Hanna ernst ist - und er gibt ihr, ganz im Gegensatz zu seinen schroffen Bemerkungen zu Beginn, ein gutes Wort mit auf den Weg (vv 15-17)
Ich nehme mir vor, die Schroffheit zu überspringen und denen, mit denen ich im Gespräch bin, gleich religiöse Kompetenz zuzutrauen - und ihnen ein gutes Wort zu sagen.

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