Sonntag, 15. März 2020

Corona-Kirche: Die Stunde der Frauen

Die Corona-Krise ist eine furchtbare Tragödie für alle direkt Betroffenen.
Zugleich bietet sie aber auch eine ungeheure Chance, die Kirche neu zu gestalten.1

Konkret: In vielen Kirchen in Deutschand und an vielen anderen Orten (u.a. auch in Italien und im Vatikan) werden in diesen Tagen keine öffentlichen Messen gefeiert, im Erzbistum Berlin keine Gottesdienste für Gruppen größer als 50 Personen.

Das ist eine ungeheure Möglichkeit für viele kreative und religiös aktive Frauen (und auch für Männer, ja). Denn bisher verdrängen die Eucharistiefeiern in jenen Gebieten mit genügenden Priestern viele andere Ausdrücke des religiösen Lebens. Und die Eucharistiefeier hängt nun einmal am Priester.
Natürlich können und werden und sollen auch Priester weiterhin religiös kreativ sein.

Aber die Kirche im Corona-Modus: das ist auch die Stunde der Laien, besonders die Stunde der Frauen. Ein Freiraum von einigen Wochen, der genutzt werden kann von den Frauen, die sich eine erneuerte Kirche wünschen und die verkrustete patriarchale Strukturen schon lange beklagen.
Der Kairos ist jetzt!

Ein neuer Morgen für die Kirche?!
Toskana, 2020.
Wer den mentalen und organisatorischen Klerikalismus überwinden will, kann nun tätig werden:
Chatgruppen, Meditationsimpulse, Austauschrunden, Bibeltutorials...
Schon ein griffiger Hashtag für christliches Leben während der Corona-Krise wäre ein Quantensprung. 
In unseren Zeiten mit vielfältigen Online-Formaten kann die Digitale Kirche als eine Kirche der Frauen, als eine Kirche der Laien, neu wachsen.
Ein Blick in die evangelische Kirche kann hier helfen: Während des Zweiten Weltkriegs gab es dort die ersten Frauen, die aushilfsweise predigten und sich im Anschluss an die Rückkehr der Feldgeistlichen von der Front nicht mehr dauerhaft von diesen Aufgaben wegdrängen ließen.
Die Krise des Krieges wurde zum Katalysator für Emanzipation und Mündigkeit.

Fähige, gut ausgebildete, motivierte und spirituelle Frauen gibt es auch heute, besonders in Deutschland, genug. Nun ist ihre große Chance, verantwortlich tätig zu werden.
Und auch, wer das nicht für sich in Anspruch nimmt – die Samariterin aus dem heutigen Evangelium ging einfach los und erzählte den Leuten von ihren Erlebnissen mit Jesus (Joh 4,28f). Das können alle.

Dann kann die Kirche nach Corona ein neues Gesicht haben, das sie auch in Zukunft prägen wird.





PS: Inspirierend: https://catholicwomenpreach.org
PS 2: Sehr tolle Ideen einer evangelischen Gemeinde hier in kurzen Videos




1   Angeregt ist dieser Gedanke durch eine Äußerung von Svenja Faßpöhler am 08.03.2020: "Es gibt eine Art von Stillstand im Moment, und vielleicht kann man diesen Stillstand ja auch mal nutzen, um sich zu überlegen, ob man dieses System ganz anders bauen kann" in: https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/ttt-08032020-ansteckungsrisiko-kultur-100.html

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