Donnerstag, 24. Dezember 2020

"Einseitiges Telefonat" zum Weihnachtsfest

Die wunderbare Nora Gominger hat die Weihnachtsgeschichte aus Sicht einer Person geschrieben, die alle Ereignisse mit eigenen Augen miterlebt und sie kurz und bündig für ihr Gegenüber am anderen Ende des Telefons darstellt.

Es ist sehr erhellend, wie das Mitteilungsbedürfnis und die dürren Worte, das neuzeitliche Beschäftigtsein und die Perspektive der Rechtfertigung zusammen zu einem lyrischen Weihnachtserlebnis werden:

Vor der Tür.
Schwante, 2018.
Einseitiges Telefonat1


Der wer?

Der?

Vor der Tür! Ja.

Ein E S E L und auch noch ein Ochse.

Doch, doch. Wenn ichs dir sage.

Ja wie und jetzt?

Jetzt Platz machen, einkaufen. Heu und so.

Vielleicht.

Ach, spinn net.

Was solln die denn mitgehen lassen?

Der magere Dyp und sei kugelrunda Fra.

Des is mir Wurscht.

Du, ich muss auflegen.

Dem Mädel ist die Fruchtblase.

Jap.

Oh Gott.

Na, ich muss jetzt.

Es ist gleißend hell auf einmal.

Nein, keine Ausrede!

Und... Hörst du das?

Hier singt einer ganz laut.

Das sind E N G E L.

Man versteht sein eigenes Wort nicht.

Machs gut.

Frohe Weihnachten!

Ich muss Stollen schneiden.



Telefon-Geburt – Passt zur Distanz-Weihnacht wie die Faust aufs Auge.

Frohes Fest!

 

 

1   N. Gomringer, Gottesanbieterin. Berin, Dresden, Leipzig 2020, 92.

Keine Kommentare:

Kommentar posten