Dienstag, 8. Dezember 2020

Heilszeit 8 – Rein in "Milchmann" von Anna Burns

Im folgenden Text wird der Freund der Erzählerin in den höchsten Tönen gelobt.

Und wie das geschieht, erinnerte mich doch sehr an das heutige Fest der "Unbefleckten EmpfängnisMariens" – Inhalt des Festes ist der Glaube daran, dass Maria von Geburt an rein war, also schon vorweg von den Leiden und Sünden des Menschseins geheilt, um Jesus auf die Welt zu bringen. Klingt vielleicht verrückt, aber nicht viel verückter als das folgende Liebesbekenntnis:

Frei - und doch an der Leine...
Tempelhofer Feld, Berlin, 2020.

"Neugierig und hingebungsvoll und voller Begeisterung, wegen Leidenschaft und Plänen und Hoffnung und mir. Ganz einfach. Auch mir gegenüber war er nicht berechnend, er war offen, frei von Hintergedanken, immer er selbst, ohne diese gespielte Gelassenheit, diese Distanziertheit, dieses Kalkül, diese verletzende, manchmal raffinierte, aber immer boshafte Manipulation. Keine Intrigen. Keine Spielchen. Das gab es bei ihm nicht, machte ihm keinen Spaß, da hatte er kein Interesse dran. 'Das ist doch für Verrückte', sagte er und lehnte es ab zu taktieren, um sein Herz zu schützen. Das machte ihn stark. Und treu. Er war unverdorben im Kleinen, was sich wiederum aufs Große auswirkte. Das war einmalig."1


Adventsmeditation für heute:

Ich finde diese Beschreibung genial: "unverdorben im Kleinen, was sich wiederum aufs Große auswirkte" – das macht Lust, selbst unverdorben zu sein. Ist es nicht wirklich "für Verrückte", dass wir uns gegenseitig so häufig fertig machen und verletzen wollen?
Heute danke ich Gott für offene und freie, nicht berechnende und treue Menschen in meinem Leben (auch wenn sie vielleicht nicht an eine solche literarische Figur – oder an Maria – heranreichen...).

 

(Mehr über die ansprechbare Maria und ihre Würde)

1   A. Burns, Milchmann. Stuttgart 2020, 28.

2 Kommentare:

  1. Cornelia Zühlsdorff12. Dezember 2020 um 08:33

    Lieber Rene! Ich finde deine Gedanken und Texte zum Nachdenken echt gut! Allerdings kann ich mit dem göttlichen Anhang hinterher nicht soviel anfangen, aber das verzeihst du mir sicherlich (oder ER?) Weiter so und liebe Grüße aus Kleinbrembach, Conni

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  2. Liebe Conni jeder und jeder nimmt sich das mit, was passt...
    btw: Ich merke selber auch: Manchmal schließt sich das religiöse leichter an, manchmal nicht. Wenn ich dafür Geld kriegen würde und mehr Zeit hätte, würde ich auch noch intensiver überlegen, was ich schreibe 🤓

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