Samstag, 14. Dezember 2019

Geliebt 14 – Kissen in "All das zu verlieren" von Leila Slimani

Die Nymphomanin hat eine Familie. Der Zwiespalt zwischen ihrer sexuellen Obsession und dem Kind, um das sie sich kümmern muss, zeigt sich in ihrer emotionalen Gespaltenheit bei der Pflege des Säuglings. Diese Gespaltenheit kann man auch nachvollziehen, ohne nymphoman zu sein:

Graffito, Berlin, 2012.
"Lucien wurde geboren. Sie fing bald wieder zu rauchen an. Und fast sofort mit dem Trinken. Das Kind durchkreuzte ihren Hang zur Bequemlichkeit. Zum ersten Mal im Leben sah sie sich gezwungen, sich um jemand anders als sich selbst zu kümmern. Sie liebte dieses Kind. Sie brachte dem Säugling eine körperliche, intensive und trotz allem unzureichende Liebe entgegen. Die Tage zu Hause erschienen ihr endlos. Manchmal ließ sie den Kleinen in seinem Zimmer weinen, legte sich ein Kissen auf den Kopf und versuchte zu schlafen. Sie schluchzte vor dem mit Brei verschmierten Hochstuhl, dem traurigen Baby, das nicht essen wollte.
Sie drückt ihn nur zu gerne nackt an sich, bevor sie ihn in die Badewanne setzt. Sie liebt es, ihn zu wiegen und zuzusehen, wie er, trunken von ihrer Zärtlichkeit, in den Schlaf sinkt. Seit er das Gitterbettchen gegen ein Kinderbett eingetauscht hat, schläft sie bei ihm. Sie verlässt lautlos das Ehebett und schlüpft zu ihrem Sohn unter die Decke, der sie brummend empfängt."1

Fragen an den Text:
Zeigt sich in der Art der Liebe, die diese junge Mutter ihrem kleinen Kind zeigt, das, was sie eigentlich selbst ersehnt? Wie geht es ihr? Vergisst sie das, was das Baby wirklich braucht oder ist es die ganz normale Überforderung?
Welche Art von Liebe braucht so ein kleiner Mensch?

Impuls:
Welche Art von Liebe brauche ich? Und bekomme ich sie in ausreichendem Maße? Bin ich der Meinung, dass Gottes Liebe mir das gibt, was ich brauche?
Ich bringe diese Fragen und meine Gedanken dazu vor Gott. 


1   L. Slimani, All das zu verlieren. München 2019, 36.

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