Samstag, 21. Dezember 2019

Josef überlegt, liebt und lebt in Gemeinschaft. Drei Adventsgedanken

In der Adventszeit erscheinen viele Personen rings um die Geburt Jesu, die uns eine Hilfestellung geben können zu unserem Gehen durch den Advent. Heute ist es Josef, der seine schwangere Freundin eigentlich verlassen will, sich aber noch einmal anders entscheidet, als ihm ein Engel des Herrn rät, Maria zu sich zu nehmen.

1. Josef denkt nach
Das klingt normal, ist es aber nicht.
Wenn ich nur daran denke, wie oft ich spontan Sachen entscheide oder impulsiv reagiere, wenn ich eine schlechte Nachricht mitbekomme.
Aber Josef ist einer, der sich die Entscheidung nicht leicht macht. Ob er betet, ist nicht überliefert. Er bricht es jedenfalls nicht übers Knie, sondern überlegt noch einmal. Er scheint fast schon entschlossen, als noch eine Wende kommt. Als er Gottes Stimme das erste Mal hörte, brachte sie ihm Frieden, sagt ein anderer Joseph, nämlich Anthony Hopkins als Benedikt XVI. in dem aktuellen Film "Die zwei Päpste". Manchmal ist der Friede tatsächlich ein Kriterium. Aber nicht immer hören wir Gott so. Manchmal kann die Stimme Gottes auch in Unruhe versetzen. So war es sicher auch bei dem biblischen Josef, als der Engel Gottes ihm bei der Entscheidung half.

Am Strand.
Prora, Rügen, 2016
Jorge Bergoglio, im Film gespielt von Jonathan Pryce steht für diese Unruhe. Liebe und Zweifel gehören für ihn dazu.

Für mich bedeutet das: Überlegen, was ich tue und guten Rat, den ich bekomme, auch beherzigen.
Natürlich werde ich nicht bei jeder Entscheidung einen Engel treffen. Aber ich kann mir Rat suchen, muss nicht auf jeden Halunken hören, sondern kann schauen, wo ein Engel für mich ist.

2. Josefs Motivation ist Liebe
Josef will nicht verletzen, müsste aber auch helfen. Der Text sagt, er sei "gerecht", was hier durchaus mit wohleinend und gutmütig zu übersetzen ist.
Doch dazu braucht es Mut, gerade in einer solchen Situation.
Auch Gott hat diesen Mut, den die Liebe braucht, als er in der jungen Frau Maria Mensch werden will. Auch Gott ist mutig, als er sich auf das Abenteuer Menschsein einlässt. Auch seine Motivation ist Liebe.
In der Liebe gibt eine Person etwas vom Eigenen auf und versucht, die Pläne eines anderen mitzuvollziehen. Jedenfalls habe ich Ehe und Partnerschaft immer so verstanden.
In Josefs Fall sind es nicht in erster Linie die Pläne Marias, auf die er sich einlässt. Sondern er hört auf die Stimme Gottes.

Im Film über die zwei Päpste heißt es an einer Stelle, dass Gott einen Papst durch den nächsten korrigiert - und Benedikt XVI. will die Korrektur miterleben, die er von Bergoglio als wahrscheinlichem Nachfolger erwartet. Auf diesen Plan Gottes will der alte Papst sich nach Meinung des Autors Anthony McCarten einlassen.

Für mich bedeutet das, dass ich mich frage: Welche Pläne hat Gott mit meinem Leben?
Spoiler: Wenn ich vermute, dass es etwas mit Liebe zu tun hat, geht es wohl in die richtige Richtung.

3. Josef steigt ins Team ein
Menschen sind gemeinsam stark.
Josef will erst sein eigenes Ding machen. Aber dann lässt er sich doch ein auf die Herausforderung, es gemeinsam zu versuchen. Gemeinsam mit der schwangeren Maria, von der er nicht weiß, ob sie ihm persönlich etwas bringt. Gemeinsam mit Gott.
Heute wissen wir: Josef wird immer im Schatten von Mutter und Kind stehen. Die Kunstgeschichte spart Josef gern aus. Maria mit dem Kinde sind die meistdargestellten Personen.
Doch: Auch er ist ein Teil der Heiligen Familie. Und auch Gott ist ein Teil dieses Teams.
Gott ruft Menschen zu Gemeinschaft – in der Partnerschaft, in der Familie, in einem Volk, in der Kirche. Und sogar im Gefängnis. Wir Menschen sind dazu gerufen, gemeinsam zu handeln und Gemeinschaft zu bauen.
Doch wenn Gott Teil des Teams ist, stellt sich die unvermeidliche Frage: War Josef der leibliche Vater Jesu? - Was sagt "Vaterschaft" aus? Ich glaube, dass der ausschlaggebende Punkt ist, dass Gott wirkt. (mehr zum Thema hier).
Übrigens fühlt sich nach dem genannten Film auch Joseph Ratzinger allein - bekennt sich aber dazu, gern Gesellschaft zu haben. Nur scheint er das mit der Gemeinschaft in der Deutung des Films nicht recht zu können.
Für mich bedeutet das: Lasse auch ich Gott Teil meiner Unternehmungen und Pläne sein? Ziehe ich mich in mich selbst zurück oder schaffe ich es, auch unter schwierigen Umständen (wie im Gefängnis), Gemeinschaft zu leben?

Advent mit diesen drei Gedanken nach der Josefsgeschichte wäre dann also: Nachdenken! Lieben! Teamplayer sein!
Vor den geschlossenen Fenstern.
Schloss Schwante, 2018.

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